Buchkunst des frühen 20. Jahrhunderts in Deutschland

Wie ein fruchtbarer Regen nach langer Dürre...

Ende des 19. Jahrhunderts setzte in Deutschland als Teil einer Erneuerungsbewegung des Kunsthandwerkes eine Reform des Buchgewerbes ein. Träger der Bewegung, die ausgehend von Schrift und Typographie dem Buch eine einheitliche, zeitgemäße Gestaltung geben wollte, waren neben Literaten, Wissenschaftlern und Verlegern auch nicht kommerziell arbeitende Privatpressen, die – passend zum aktuellen Gutenberg-Jahr – im Mittelpunkt der Ausstellung stehen.

Inspiriert durch englische Pressen, v. a. die Kelmscott oder Doves Press, wurden sie Anfang des 20. Jahrhunderts von Bibliophilen wie Willy Wiegand und Harry Graf Kessler sowie jungen Künstlern wie Walter Tiemann, Rudolf Koch, F. H. Ehmcke, den Gebrüdern Kleukens und F. H. Ernst Schneidler gegründet. Durch ihre hohen Qualitätsansprüche sowie ihre Zusammenarbeit mit Verlagen beeinflussten sie auch allgemein die Entwicklung der modernen Buchgestaltung.

Neben Werken etwa der Janus- und Ernst Ludwig Presse, der Bremer und Cranach-Presse sind in der Ausstellung auch die englischen Vorbilder durch maßgebliche Drucke vertreten. Zudem werden die Anfänge der Buchkunstbewegung durch Publikationen etwa des Insel- und Eugen Diederichs Verlags, die schon früh Künstler, z. B. Melchior Lechter, E. R. Weiß oder Marcus Behmer, für die Gestaltung ihrer Bücher gewinnen konnten, beleuchtet und in einem ›Ausblick‹ Pressendrucke der Zeit nach 1945 gezeigt.

I. Inkunabeln und englische >Privatpressen< als Vorbilder

Entscheidende Impulse erfuhr die Reformbewegung durch das Studium früher venezianischer und süddeutscher Drucke sowie durch das Vorbild englischer Pressen, vor allem der Kelmscott und der Doves Press.

II. Diskussion und Präsentation

Die kritische Diskussion um eine Wiederbelebung der Buchkunst setzte Ende des 19. Jahrhunderts ein. Bedeutende Ausstellungen präsentierten erste Erfolge, zahlreiche Publikationen belegen die Auseinandersetzung von Buch- und Schriftkünstlern sowie Druckern mit dem Thema.

III. Die Erneuerung der deutschen Buchkunst

Erste Reformbemühungen gab es bereits in den 1880er Jahren. Gleichsam als Wegbereiter fungierten Ende des 19. Jahrhunderts der Jugendstil und aus ihm entstandene Zeitschriften. Der entscheidende Durchbruch erfolgte jedoch um 1900 durch die Zusammenarbeit von Verlagen mit Künstlern für die Ausstattung der Bücher und durch die Gestaltung neuer Schriften.

IV. Deutsche ›Privatpressen‹

Nach dem Vorbild englischer Pressen wurden Anfang des 20. Jahrhunderts von Bibliophilen, Buchkünstlern, Druckern und Literaten auch in Deutschland entsprechende Werkstätten gegründet. Durch ihre hohen Qualitätsansprüche sowie ihre Zusammenarbeit mit Verlagen beeinflussten sie die Entwicklung der modernen Buchgestaltung.

V. Buchkunst nach 1945 – F. H. Ernst Schneidler – Offizin Drugulin

Bereits wenige Jahre nach Kriegsende knüpften neue Gründungen von Privat­pressen an die Hochzeit der deutschen Buchkunst in den 20er Jahren an. Mit F. H. Ernst Schneidler und der Offizin Drugulin werden zwei herausragende Akteure der deutschen Buchkunst vor und nach dem Zweiten Weltkrieg vorgestellt.

Buchkunst des frühen 20. Jahrhunderts in Deutschland

Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Heidelberg
Öffnungszeiten
vom 9. Mai 2018 bis 10. Februar 2019
täglich 10 – 18 Uhr
an Feiertagen geschlossen