Hamburg | Staats- und Universitätsbibliothek

Die Sammlung "Schönes Buch"

Künstlerisch gestaltete Bücher finden erst seit etwa 60 Jahren den Weg in eine eigens dafür angelegte Sondersammlung der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (im Folgenden: Staatsbibliothek). Die Sammlung "Schönes Buch" entstand in den Nachkriegsjahren und enthielt zunächst eine Auswahl besonders illustrierter Bücher, bibliophiler Ausgaben und Pressendrucke, die angehenden Bibliothekaren in ihrer Seminarbibliothek (daher noch heute mit der Sondersignatur "Sem 19" gekennzeichnet) als Anschauungsmaterial im Bereich der künstlerischen Buchausstattung dienen sollten.

Die Geschichte des bebilderten Buches beginnt in der Sammlung mit mehreren Drucken des 18. Jahrhunderts, worunter v.a. illustrierte Ausgaben zu den klassischen Autoren der Antike zu finden sind. Auch die über 80 Titel des 19. Jahrhunderts führen den Betrachter vor allem die künstlerischen Illustrationstechniken, den Buchschmuck in Kupferstichen, Lithographien oder Radierungen vor Augen. Hier finden wir aber auch Zeugnisse der aufkommenden Buchkunstbewegung zum Ende des Jahrhunderts.  Im Zuge dieser Buchkunstbewegung entstanden auch in Deutschland viele Künstlergemeinschaften und Privatpressen, von denen zahlreiche Werke in unserer Sammlung zu finden sind. Auch in Hamburg bildeten sich Künstlergemeinschaften, die versuchten, die verschiedenen künstlerischen Elemente eines Buches zu einem Gesamtkunstwerk zusammenzuführen. Unter ihnen wirkte der wohl bedeutendste expressionistische Künstler Hamburgs, Karl Lorenz (1888-1961). 1924 gründete auch er seine Privatpresse auf dem Hof der norddeutschen Künstlerfamilie Wrage in Malente-Gremsmühlen, die Turm-Presse. Aus der Turmpresse bewahrt die Staatsbibliothek über 200 Werke auf. Diese sind Bestandteil der mehr als 1.300 Bände, die allein aus der Zeit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Sammlung "Schönes Buch" stehen.

Nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg musste sich auch die Buchkunstbewegung erst wieder erholen. In Hamburg nahm die Landeskunstschule, die spätere Hochschule für bildende Künste, den Betrieb wieder auf. Sie konnte hervorragende Lehrkräfte im Bereich der Buchkunst akquirieren: Ignatz Wiemeler als Professor für Einbandkunst, dem 1952 Kurt Londenberg folgte, und Richard von Sichowsky, der bis 1974 als Professor für Typographie und Buchgestaltung an der Hochschule agierte. Gerade letzterer hat Generationen von Buchkünstlern beeinflusst und gilt als Inbegriff der "Hamburger Schule" der Typographie und Buchgestaltung. Von Sichowsky gründete 1951 die Grillen-Presse, aus der viele Bücher hervorgingen, die von der Stiftung Buchkunst zu den "Schönsten Büchern des Jahres" gekürt wurden. In den ersten Nachkriegsjahren tummelten sich auch Horst Janssen, Loriot und Otto Rohse als Studenten an der Landeskunstschule. Bücher der Grillen-Presse und Otto-Rohse-Presse, die 1962 entstand, finden sich als Hamburgensien naturgemäß in der Sammlung.

Buchkunst hat in Hamburg Tradition. Und dass sie bis heute in der Stadt lebt und floriert, zeigen die künstlerischen Arbeiten von Buchkünstlerinnen und Buchkünstlern wie Tita do Rego Silva, Svato Zapletal, Klaus Raasch, Caroline Saltzwedel (Hirundo Press), Clemens Tobias Lange (CTL-Presse) oder - leider nicht mehr in Hamburg ansässig - Roswitha Quadflieg (Raamin-Presse). Natürlich birgt die Sammlung neben Hamburger Künstlerbüchern auch Beispiele nationaler und internationaler Buchkunst. Dieser Teil der Sammlung wurde erheblich bereichert durch den Ankauf der Sammlung Bartkowiak im Jahr 2011, bestehend aus etwa 1.400 Künstlerbüchern und mehr als 1.000 Hängemappen Archivmaterial. Inzwischen beherbergt die Sammlung "Schönes Buch" im Bereich der Sondersammlungen knapp 5.000 Stücke. Recherchierbar sind die Sammlungsbestände über den beluga-Katalog.

Kontakt

Antje Theise
Referentin für Seltene und alte Drucke
Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg
Von-Melle-Park 3, 20146 Hamburg
E-Mail: antje.theise@sub.uni-hamburg.de

Bildnachweis Header

Ottfried Zielke
„Kain / DEMOKRATIE JETZT“
Künstlerbuch, Unikat, Übermaltes Gesangbuch
Verlag Uwe Warnke, Berlin 2013                                
Format:  Höhe 17,5 cm, Breite 10 cm
Seiten: 372

Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main
Mit Mitteln der Ludwig Pfungst-Museums-Stiftung 2013 erworben
Inventarnummer: LNBZ 1332