Volltext Seite (XML)
Unbeweglich... Gleich darauf wurde es wieder stockfinster. Das Hupensignal verdröhnte in der Ferne... „Woherwuß ten Sie, daß niemand zu Hause sei?“ Scharf, wie die Stimme eines Unter suchungsrichters, klang es. „Ich... ich hörte, wie der Portier unten jemandem erzählte, daß der Kammerdiener des Herrn Grafen im Theater sei... in der Burg...“ „Ganz richtig... ich habe mei nen Kammerdiener ins Theater geschickt. Und Sie? Wie sind Sie hereingekommen? Hat Sie der Portier nicht gesehen?“ Keine Antwort. „Na, wird’s?“ „Ich wartete, bis er in seine Wohnung gegangen war . . . Dann schlich ich die Treppen hinauf . . Niemand sah mich ... Und da herein bin ich leicht gekommen...“ Wie Hohn klang es: „Sie müssen ein Meister in Ihrer Zunft sein. Übrigens ... Haben Sie eine Waffe bei sich... Messer, oder...?“ „Nein!“ „Wirklich nicht? Wenn Sie lügen ...“ „Nichts habe ich ...“ „Gut. Es würde Ihnen auch nicht viel nützen. Und nun werden Sie so freundlich sein, für mich zu telephonieren, mein später Gast... Dort auf dem Tisch, dicht neben Ihnen, steht der Apparat...“ Der Schatten rührte sich nicht. „Sie sollen anrufen, haben Sie nicht verstan den? Oder muß ich deutlicher wer den ...?“ Der Schatten bewegte sich zwei Schritte nach rechts. Dann knackte die Kux'bel. „So...! Sie sind ja ganz brauch bar ... Sagen Sie einfach, Sie wollen das Polizeikommissariat zehn sprechen... Es ist gleich hier in der Nähe.. Der Schatten machte eine jähe Be wegung... „Was, Sie wollen nicht? Dann... Aber in diesem Augenblicke wiederholte der Bursche schon gehorsam die Worte, die ihm der Graf vorge sprochen hatte. „Polizeikommissariat zehn...“ Wieder klang die Stimme vom Schreibtisch herüber: „Sie werden sagen, daß der Graf Henckhoven bitten lasse, so fort zwei Schutzleute in seine Wohnung zu schicken ... Mit Fesseln womöglich ... Ein Einbrecher habe sich eingeschlichen ... Der Kommissär kennt mich... er weiß, wo ich wohne...“ Da schrie der Bursche auf: „Hund..., Sie Hund, Sie... warum quälen Sie mich denn so?“ Und die Stimme: „Was? Aufbegehren wollen Sie... Sie... Vor wärts ... zum Apparat!...“ Langsam fie len nun die Worte, die der Graf vorsagte, in das Sprachrohr... Der Bursche ballte die Fäuste, er wollte auf seinen Peiniger zustürzen, aber die Angst vor dem Revolver hinderte ihn daran... Nun hatte er seihst die Wachleute herbeirufen müssen, sich selbst das Grab geschaufelt, in das der andere ihn unbarmherzig hineinstieß ... Es war ihm, als müßte er in die Knie sinken und bitten ... bitten, daß der dort am Schreibtisch ihn freigäbe... daß er ihn laufen lasse, wie ein Tier, das man geprügelt hat, aber schließlich doch da vonjagt... Aber es war zu spät... zu spät... Stimmen klangen im Vorzimmer auf... Schritte kamen gegen den Raum zu... Ein Säbel klirrte... Dann traten sie ein: Zwei Wachleute und ein Herr in Zivil... „Wo ist der Einschalter, Herr Graf?“ „Gleich links neben der Tür, Herr Kom missär...“ klang’s herüber. Dann flutete eine scharfe, grausame Helle durch den Raum... „Hände ausstrecken ...“ Me chanisch gehorchte der Bursch ... Und schon wanden sich, wie zwei pressende Schlangen, die Fesseln um seine Gelenke ... Der Herr im Zivil war unterdessen zum Schreibtisch hingegangen ... machte eine tiefe Verbeuming-... O O IO