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Zwei weitere Ankäufe für Postkarten oder Um schlagverwendung wurden noch empfohlen: das Blatt von H. Schubert mit den steil auf ragenden Riesendolden des blauen Rittersporns und der Entwurf „21 337 aus Hamburg", der leider verspätet einging, aber eine originelle graphische Lösung darstellt. In engster Wahl standen noch zwei Entwürfe von FriedrichWobst, mehr für eine Rosen schau geeignet, das Blatt mit der riesigen roten Rose und die Lösung eines Gießkannenbildes mit durchschlungenem Blumengewinde, Blätter von sehr guter kompositioneller und malerischer Behandlung. Noch zu erwähnen sind Arbeiten von Jobst Kuch, Nürnberg, ein dekorativ gemalter Gärtner mit hochgetürmtem Blumenkorb, eine freskohafte Gärtnerdarstellung von E. Stark, Hannover, die durch straffe, flächenhaft ge schlossene Figurenbehandlung auffiel, ein blondes Blumenmädchen von LotteOldenburg, ein Entwurf mit einer glühendroten Nelkenblüte als Blickfang, die verblüffende, leichtgetönte Photo montage eines Bübchens vor blauem Himmel und die pflanzenden Hände von E. Böhm, München. Es ist wohl angebracht, eine kleine Aufzählung der verwendeten Motive als Kaleidoskopfilm ab- rollen zu lassen. Die Einsender pendelten mit ihren Ideen und Dar stellungstechniken zwischen den schärfsten Ex tremen. Machwerke aus verstaubten finsteren Kitschwinkeln hingen neben blutlosen Mode rezepten naturferner Großstadtmumien, an denen die Entwicklung des letzten Jahrzehnts spurlos vorüberging. Ideenlosigkeit war ersetzt durch den Drang, Hoheitszeichen, Adler und Hakenkreuze, in sinn loser Weise gehäuft, auf Spaten, Gießkannen, Blumentöpfen und Blütenwiesen anzubringen. Mit dieser unwürdigen Anbietung des nationalen Kitsches wurde rasch aufgeräumt. Das arme Stuttgarter Wappenrößlein sah man aus Taxushecken geschnitten, mit Blumengirlanden umschlungen und aus plastischen Blüten im Stil der Blütenfestwagen von Nizza gebildet. Sogar geblümte Adler hockten traurig zwischen Garten toren. Putten standen zwischen Obstspalieren und den Blumenwirrnissen von Liebeslauben. Die Gnomen der Spießbürgergärten zeigten sich schüchtern unter gleißenden Glaskugeln. Blumenkörbe mit und ohne Träger stritten mit bengalisch be leuchteten Gärtnerinnen um den Vorrang. Der einfache Lattenzaun des Kleingärtners fand ebensooft Darstellung wie Ausblicke aus kom- merzienrätlichen Luxusgärten mit Arkaden, Mar morsäulen und Barockgittern. Ein unabsehbarer Wald von Sonnenblumen in den erdenklichsten Stilisierungen glühte in der Flucht der Ausstellungssäle von den Wänden, von der Vorliebe für dieses dekorative Motiv zeugend. Fratzenhafte Orchideen, züngelnde Feuerlilien, Riesentulpen, blaue Wunderblumen ohne bota nischen Ahnennachweis wurden von exotischen Schmetterlingen heimgesucht. Brunnenbuberl und Satyrn thronten über Ge müsestilleben. Bunte Jungfrauen in Banat kostümen mahnten an das Auslandsdeutschtum, wohlbeschirmt durch kriegsstarke Kompanien der Einzelspaten und Spatenmänner, die den vielen einsamen Gießkannen und Rechen kompositionen den Rang streitig machten. Das Gesicht der Stadt Stuttgart wechselte zwischen linearen Architekturandeutungen in gift grünen Dunstschleiern, behäbigem Kleinstadt giebelcharakter und Wolkenkratzergebilden in neuamerikanischem Stil. Gläsern durchsichtige Spaten trugen das be sonnte Bild der Stadt, das auch auf Glaskugeln in magischer Reflexspiegelung sichtbar wurde. Tapetenausschnitte wechselten mit grellfarbigen Rouleauxbildern der Spätbiedermeierzeit, über nächtlichen Stadtsilhouetten schwebten Garten geräte als Röntgenbilder in Neonröhrenlicht. Jdeeliche Anregungen Werbetexte • Vertrauliche Überprüfung, stilistische und werbepsychologische Überarbeitung fertiger Niederschriften • Gutachten Werbeberater K. Th. Senger BerlinW35• Lützowstr.84* Ruf:222286 61