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DAS AUSLAND PARIS: Gomez de la Serna in Paris. Ich bekam mein altes Zimmer im Hotel an der Place de l’Odeon wieder, dem Platz, auf dem sich alle Pariser Novellen stauen. Glückseliger, gnaden bringender Platz. Auf einem jener altmodischen Schreibtische, die Klavizimbeln gleichen und bei denen man, wenn man sich vor ihnen niederläßt, nicht weiß, ob man Pianist oder Schriftsteller sein wird, legte ich mein Papier zurecht, —■ aber vergeblich. Zum erstenmal in meinem Leben habe ich während eines ganzen Monats nichts geschrieben. Das ist das einzige, was einen Schatten auf das Leben dieser ver gangenen Tage wirft. * Ich habe interessante Salons besucht, in denen wunderhübsche Frauen leuchteten. Aber eine Feigheit muß ich gestehen: die, die Einladung zu einem Empfang nicht angenommen zu haben, den schicksalhafte Frauen, mir zu Ehren, veranstalteten . . . Prinzessinnen, Gräfinnen, bis zur unbekannten Schönen, von der man wußte, daß sie die unheilverkündende, trunken machende Venus war. * Im literarischen Leben von Paris spürt man die Stille der Verwirklichung. . . . Alles bereitet sich zum neuen notwendigen Werk. . . . Nur beschwerlich sah ich sie aus ihrer Einsamkeit herauskriechen, um mich zu feiern. . . . Sie kamen von uneinnehmbaren Posten her . . . Valery Larbaud, aus seinem Arbeitszimmer, von Tausenden von Bleisoldaten beschützt. Jaloux aus seinem Garten einsamer Erkenntnis. Supervielle, wie nur halb aus seinen Träumen erwacht. Prevöst, aus seinem dicht verschlossenen Haus. Als Delteil im Zirkus erschien, war er soeben aus dem Süden zurückgekommen, wo er ein Leben Lafayettes geschrieben hat, das zuerst in New York erscheinen soll. Max Jacob hatte als Bekehrter seinen Klosterhof verlassen, um sich mit mir im Cafe Vickins zu treffen. * Unter denen, mit welchen ich in aller Intimität speiste, war für mich der Eindrucksvollste: Ehrenburg, der große russische Dichter, den ich kennen THOMAS MAM schreibt an JOSEF KASTE UV: »Es ist mir schwer verständlich, daß man Ihren »Melchior« mit den »Buddenbrooks« in Beziehung gesetzt hat. Das einzige Verdachtsmoment, das dafür spricht, daß Sie überhaupt etwas mit mir zu schaffen haben, ist, daß ich Sie sehr gerne lese. Sie erzählen gut, und dann übte natürlich die Wasseratmosphäre und das Familienmilieu die etwas ängstigende An ziehung des Heimatlichen aus. Ich komme eigentlich nur vor dem Schlafengehen etwas zum Unterhaltungs lesen ; aber ich habe zu Ihrem Roman zu viel Vertrauen gefaßt, als daß ich nicht darin fortfahren sollte.“ ERIESEV-VEREA« / RREMEV Josef Kastein MEL CIIIOR Ein hanseatischer Kaufmannsroman In Ganzleinen Mark 6.— 292