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wäre, ich mußte mich verpflichten, im Falle von Selbstmordabsichten Gift zu nehmen und nicht mit der Pistole zu schießen, damit keine Löcher entstünden, Schlägereien Revolutionen usw., mit einem Worte alles zu meiden, wobei meine Knochen Schaden nehmen könnten, und ich mußte mich verpflichten, Ihm jeden Wohnungswechsel anzuzeigen. Darauf hat er mir das Geld ausgezahlt, d. h. ich habe die Forderung an das Finanzamt und an die Post zediert.“ „Na, und warum klagt er?“ „Ja, eines Tages bekomme ich rasende Zahnschmerzen an einem Backzahn. Ich konnte es vor Schmerzen nicht mehr aushalten und ging zum Zahnarzt, der mir er klärte, daß der Zahn unbedingt gezogen werden müßte. Ich wollte noch einen Tag warten, und wie ich mich da zu Hause vor Schmerzen winde, erscheint der Käufer, und ich erklärte ihm, daß ich meinen Backzahn ziehen lassen will, weil ich es vor Schmerzen nicht mehr aushalten kann. Der reißt die Augen auf und erklärt ganz auf geregt, er ließe das nicht zu, das wäre Sachbeschädigung, was mir einfiele, mich an fremdem Eigentum zu vergreifen, und wenn ich es wagte, meinen Zahn ziehen zu lassen, so verklage er mich. Ich konnte es aber nicht aushalten, ließ den Zahn ziehen und habe ihm am nächsten Tage den Zahn zugeschickt — als Teillieferung. Darauf hat er mich wegen Sachbeschädigung verklagt ... es waren schon drei Termine und jeder Richter drückt sich vor dem Urteil...“ „Können Sie Ihre Frau Gemahlin nicht intervenieren lassen?“ „Was für eine Idee! Mein Gerippe habe ich mit in die Ehe gebracht. Wie soll da meine Frau intervenieren?“ „Augenblick mal. Leben Sie mit Ihrer Frau Gemahlin in Gütergemeinschaft?“ „Ja...“ „Na, dann gehört Ihr Gerippe zur Hälfte Ihrer Frau. Sie müssen eine Feststellungs klage anstrengen und das Gericht soll entscheiden, ob jene Hälfte Ihres Gerippes, wo der Backzahn sich befand, Ihrer Frau gehört oder nicht. Übrigens... könnten Sie mir die Adresse dieses Anatomen geben?“ „Warum?“ „Ja, wissen Sie, mich haben sie auch am Wickel... und man möchte doch gern ein paar Mark verdienen.“ Triumph der Wissenschaft Wenn ich mich nicht irre, hieß er Leuwensterz und sein Lebenszweck war, Tiere zu akklimatisieren. Er behauptete, daß er aus Säugetieren Amphibien machen könnte und umgekehrt und eine sichere Methode hätte, Eisbären auf den Galapagos-Inseln und Kolibris auf dem Franz-Josephs-Land heimisch zu machen. Sein größter Erfolg auf diesem Gebiete aber war unzweifelhaft der Fall mit dem dressierten Hering, der als Forschungserfolg viel höher zu werten ist als der syphilitische Affe. Leuwensterz fing eines Tages einen lebendigen Hering und nahm ihn in einem Aquarium nach Hause mit. Der Hering fühlte sich in der ungewohnten Umgebung wohl und verschlang gierig die Schrippen, die ihm Leuwensterz zuwarf. Das Experi ment fing am nächsten Tage an. Er nahrn den Hering aus dem Wasser und hielt ihn an die Luft. Der Hering hustete, prustete, schnappte nach Wasser und verdrehte die Augen. Da Lebensgefahr vorlag, legte ihn Leuwensterz bald ins Wasser zurück. Am nächsten Tage holte der kluge Leuwensterz den Hering wieder aus dem Wasser. Er hustete, prustete, schnappte nach Wasser, aber verdrehte die Augen nicht mehr. Das war schon ein Fortschritt. Er wiederholte das Experiment Tag für Tag, und vierzehn Tage später, als er den Hering aus dem Wasser holte, hüstelte dieser nur noch ein klein bißchen und hielt es eine volle halbe Stunde an der Luft aus. Zwei Monate später. Dem Hering gefiel es an der Luft immer mehr. Tagsüber half er sich mit seinen Flossen vorwärts, auf dem Schreibtisch kroch er über die Zeitungen und glotzte die Leitartikel sprachlos an. Er schlief nur noch im Aquarium, aber machte schon alle möglichen Sperenzchen, wenn er wieder ins Wasser mußte. Ein halbes Jahr verging, als Leuwensterz eines Tages auf die Idee kam, den Hering an der Leine spazieren zu führen. Da geschah das Unglaubliche. Als er mit dem Hering über eine Brücke ging, löste sich die Leine, der Hering fiel ins Wasser—und—ertrank.