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Spanische Tänzerinnen Es gibt auch Volkstänze, die ein wenig Sonntagstradition sind. Sie singen und drehen und geigen und spielen Dudelsack und Zithern. Man weiß in Marua dann, daß so in Galizien oder in Leon getanzt wird. Das sind farbige Kuriositäten. Der Spanier versteht unter Tanz keine Hevue, die er miserabel macht, weil er da- für keinen Flair hat, er sieht darin auch kein Kunslprogramm, sondern er versteht darunter, daß man in gewissen Momenten des Daseins tanzt, wie man in gewissen Augenblicken liebt oder stirbt. Anders als mit den selbstverständlichsten und höchsten Symbolen des Lebens ist der spanische Tanz nicht zu vergleichen, obwohl er ganz schlicht und einfach dasteht, wie alles Enorme, das nur durch die Beschrei bung groß wird. Wenn eine Spanierin zum Tanzen auf- tritt, beherrscht sie als Voraussetzung unter allen Umständen eine Menge Technik. Jen seits der Technik ist sie dazu immer graziös und herrisch, wenn sie auch dick wie eine Ilobbe ist. Es wird ihr unter keiner Ver lockung einfallen, einen Faun und eine Nymphe und einen Fiebertraum ausdrücken zu wollen. Sie hat niemals die Idee, ge wisse Dinge von Gefühlsrang, die Shake speare oder Dante gestaltet haben, durch turnerische, ehrgeizige Bewegungen zu cha rakterisieren. Die Spanierin, ob sie einem Frosch oder einem Reiher gleicht, tanzt stets nur das selbe Thema, das die Härte und die Glut ihrer Leidenschaft ausmacht, jenen virtuo sen Hochmut, der jeder Nutte den geisti gen Rang einer Dame gibt. Ueppigkeit ist besonders im Süden kein Einwand gegen eine Bailarina. Ihre Fett sucht reizt den dürren Spanier wie die Beduinen. Ihre Beine sind immer straff und schön. Sie tanzen in der Tat alle das selbe, aber sie fangen schon gut zu tanzen an wie die Franzosen gut zu schreiben an fangen. . Deshalb ist alles, was im Ausland zu tanzen vorgesetzt wird, Schwindel. Selbst Tortola Valencia, die Otero und die Argen- lina, welche Paris entzückte, haben in das rein spanische das westliche Ideal des Kunsttanzes gemischt. Dem kontinentalen Publikum fehlen alle Voraussetzungen, mit denen der Spanier seine Tänzerinnen an- siehl. Der Spanier beobachtet die einzelnen Pas und die verschiedenen Haltungen, wie er seine Helden und seine Pferde beurteilt: er kennt das Thema und die Figuren und schaut nur auf die Nuancen, um die ge nialsten zu applaudieren. Dem östlichen Europa ist das Getrippel der Spanierinnen