914 und sich nach dem Bade wohlig ermüdet von der Sonne braun brennen läßt, und das gehört wohl mit zu den größten Wun dern des modernen Ba- delebens: Mit den Klei dern fallen auch die Fesseln der Konvention. Aus den steifen, seriösen Damen und Herren wer den lustige Buben und Mädels, die im Wasser allerlei Allotria treiben und das allerseltsamste daran ist, daß das Alter hierbei absolut keine Rolle spielt. Diese schrankenlose Badefreiheit hat sich aber erst in den letzten Jahrzehnten durchgesetzt. Unsere Großmütter noch waren in ihren unkleidsamen Badeanzügen (ein Trikot wäre shocking gewesen!) in jenen Bretterbuden isoliert, in deren Um gebung sich kein männliches Wesen wagen durfte. Die Mode der letzten Jahre hat ja das stärkere Geschlecht allmählich an den Anblick weiblicher Reize gewöhnt und dazu kommt, daß anstatt der Rubensschen Fülle von gestern die gegenwärtige Mode schlankeste Linie vorschreibt, so daß also die Geschlechtsunterschiede nicht mehr so stark ins Auge fallen. Das Badeleben in den fashionablen Seebädern hat einen eigenen Reiz. Tagsüber spielt sich das gesamte Badeleben am Strande ab. Zwischen den Strandkörben räkelt man sich im Sande, die Augen nach dem Lauf steg gerichtet, der die Strandpromenade bedeutet, und läßt die Badegäste Revue passieren. Manch flüchtiger Strandflirt wird angeknüpft und das Dasein bekommt Spielereien am Presse Photo Strande — Phot. : Alex Binder — und im Wasse r (Teddy Bill und Lilian Harvey)