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wieder, und damit begann die merk würdigste Korrespondenz, die ich jemals geführt habe. Wie dann die Dinge sich weiter ver kettet haben, soll Ljnba selbst erzählen. Aus ihren Briefen an mich: „Moskau, 20. IV. 28. Mein Herr! Einen halben Monat geht vorüber, bis wir mit die Briefe sich be- wechseln . . . Wie ein Schriftsteller müssen Sie un- bedings Rußland besuchen und dabei werden wir uns persönlich lernen. Nur die deutsche Sprache stöhrt meine Ruhe. Schreiben Sie wieder, ich werde warten . . .“ „Moskau, 30. V. 28. . . . Der Herr Professur sagt, daß ich jetzt bin zu zärtlich für meine Film arbeit, und erlaubt mir nicht in die Hochschule lernen. Aber Sie glauben ich werde ihn horchen? Nie! Nie! . . .” „Moskau, 17. VI. 28. . . . Sie fragen was ist wahr, was man schreibt von Rußland. Was für eine Meinung haben Sie von uns Russen. Ein sehr schlechten Meinung kann ich nur sagen! . . ." „Moskau, 1. VII. 28. . . . und denke, daß es wird unsere Freundschaft nicht zerstören sonder ver binden. Und so hast Du eine kleine Freundin in der weite Rußland. Russen haben wenig Freunde zwischen Aus länder . . .“ „Moskau, 3. VIII. 28. . . . Ich weiß von Dich ja fast nichts. Bist Du blond, schwarz, hoch oder klein, böser oder ein sehr guter? . . . Ich liebe sehr Deine Gedichter! . . .“ „Moskau, 18. IX. 28. . . . Nach Deutschland ist meine Kunst nich so wehrt um solch eine Summe Geld herauszuwerffen. Siehe wüe praktisch und sparsam ich bin. Gar nicht wie eine Russin . . .“ „Moskau, 11. XL 28. . . . Von Deinen Briefe kloft mir meine Herz viel hastiger wie ich es selbs will . . .“ „Moskau, 10. 1. 29. . . . Alles ist verfroren. Auch ich känte verfroren, — nur Deine liebe Brief lassen meine Seele nicht verfroren, und die — sehr warme Zimmer den Kör per . . „Moskau, 13. 11. 29. . . . Ich will Dir nicht meine Kunst zeigen, sondern sich selbs und ich kann es nicht, überall bin ich es nicht . . . . . Denke nicht, daß ich habe schwarze Augen, ich habe graue . . .“ „Moskau, 19. III. 29. . . . Ich habe von das Fasching keine Vorstellung. Mir, ein Bekannter, der sehr lange Zeit im München gelebt hat — hat mir erklärt (und auch von dem König) und ich habe von ganzem Herzen gelacht, es ist ja merkwürdig, wenn es alles wahr ist!? Er sagt, das so was ist nur in München . . .“ „Moskau, 9. IV. 29. . . . Du bist ein Schriftsteller, Du kannst eine Geschichte in vielen Arten beschreiben, und Dein innerlich Ich kann gar keine Mitteilung dazu neinen . . . Ich störe ja mit kein Schritt Dein Leben nicht, lieber Gert. Wie gerne möchte ich Du sehn!“ „Moskau, 14. VI. 29. . . . Liebes Gert, ich glaube nicht, daß wir uns treffen in dieses Jahr — aber ich will, es soll sein, ich will nicht län ger warten . . .“ „Moskau, 7. X. 29. . . . Ich will in Deine Augen schauen, sie werden mir alles sagen: denn sie sind die innere Stimme des Seeles . . „Moskau, 8. XII. 29. . . . Wir werden uns treffen, Gert — und alle unsere Zweifelung, Öffnung, Sehnsucht wird sich erklären . . .“