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Kaiserin Eugenie, deren berühmtes Kleid sdion zehn Jahre nadi ihrem Tode seine Auferstehung feiern kann. schaff lidikeit, das Entgegenkommen in der Mode, die jede Distanz fortschaffte. Aber allzuviel Burschikosität geht auf die Dauer auch auf die Nerven. Wohin man blickte, wohin man hörte: „Sachlichkeit.“ Sach lichkeit in den Woh nungen, Sachlich keit im Bau der 1 läuser. Sachlichkeit in der Lebensfüh rung. Vor allem die sachlichen Frauen, die die ganze Welt im sachlichen Ge spräch erobern und einreißen wollten. Schließlich fanclman nur noch im Theater und im Film ein wenig Romantik, ein wenig Schönheit. Irgendwo tief drinnen, jetzt vielleicht sorgsam übertüncht mit Europas amerikanischer Sachlichkeit, saß im Menschen doch das Stückchen Sehnsucht nach Zartheit, Feinheit, Zärtlichkeit, nach Schön heit. Irgendwo im Manne saß doch die Sehn sucht nach einer weiblichen Frau, nach einer weiblichen Gefährtin. Die Mode, feinnervig stes Barometer auf alle Strömungen, die die Welt und das Er leben der Welt durchziehen, spürte das. Ermüdet von allzuvieler „Männ lichkeit" -wollen die Frauen wieder ein mal hübsch sein, wollen sie wieder einmal wirkliche Frauen sein. Und auf diesen Wende punkt der Gesin nung haben die Modeschaff enden aufmerksam ge macht. Sie form ten die Frau äußer lich neu um, ge mäß ihrem eigenen Willen. Rasch haben die Frauen begriffen, welche große neue Chance ihnen da geboten wurde. Sie erkannten, wie vor teilhaft das lange Kleid sie umge staltete. Wie sie größer und schlan ker erschienen, wie viel zierlicher, graziöser, damenhafter sie aussahen. Sie er kannten, daß mit dieser neuen Auf machung für den Mann ein neues Reizmoment wieder in die Kleidung getragen wurde. Eine Ballsaal-Sensation des kommenden Winters: Ras Dekollete* des diesjährigen laugen Sdd eppkleides im Stil der siebziger Jnlirc. Zeichnung von Julie Haase-W'erkenthin 36