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Der Spielraum für die Temperamente, die Möglichkeit, das Stück Welt, das sie mit ihrer Kamera einfangen wollen, verschieden zu gestalten, ist weit größer, als es zuerst den Anschein hat. Und das schönste dabei ist, daß alle diese Dinge nur gelingen, wenn dabei der Fotograf bescheiden im Hintergrund bleibt. Die Jahre nach dem Krieg haben der Fotografie einen merkwürdigen Auf schwung gegeben. Die „neue Sachlich keit“ — so oft banalisiert — hier hat sie wirklich gefördert. Der neue Stil erzeugte eine neue Technik. Nach einer Entwicklung, die jahrzehntelang stockte, sprangen mit einemmal neue Talente aus dem Boden und Namen, die man nie gehört hatte, wurden rasch populär (auch das gab es früher nicht — wer kannte Fotografen? Nur den K. Hof-Fotografen vielleicht!). Und so, vereint durch nichts als die gleiche künstlerische Gesinnung ihren Objekten gegenüber, entstand etwms wie ein ge heimer „Orden der Fotografen, die sehen können.“ Man zögert, sie „Kunstfotografen“ zu nennen, weil cs genau so lächerlich klingt wie ..Kunstmaler“. Aber daß es wirkliche Künstler sind, beweist ihr Werk, von dem wir hier einige Proben geben. Mir haben einige von diesen tüchtigen, stillen, unentwegt bemühten Die Gabel Aufnahme von Anirt Kertesz W arum ich gerade dieses Foto für meine gelungenste Arbeit halte? — ^eil es mir bei ihm gelungen ist, das Objekt mit der starken Suggestivität des Spieles der Schatten, Lichter und Linien am unmittelbarsten und reinsten wiederzugeben/ 36