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nadibar, beginnt sogar den Aereiuigten Staaten auf manchen industriellen Ge bieten ein sehr ernster Konkurrent zu werden. Anders steht cs in denjenigen fremden Ländern, in denen englisches Kapital früher die A orhand hatte. Da ist Ost asien. das früher eine englische Domäne war. ln Japan hat sich englisches Kapi tal noch leidlich gehalten, in China da gegen nehmen heute schon die Ameri kaner nächst den Japanern den ersten Platz ein, und es scheint, daß die Ame rikaner eine große finanzielle Offensive in China vorbereiten, um sich den Ab satzmarkt dieses A ierhundertmillionen- volkes zu sichern. Der hartnäckigste Kampf wird aber heute um den Teil der Welt geführt, der für die nächste Zukunft wirtschaftlich wohl die besten Aussichten bietet: um Südamerika. Hier haben die Nordameri kaner mit allen finanziellen und auch mit den schärfsten politischen Mitteln in den letzten Jahren gearbeitet. Auf die Inszenierung kleinerer und größerer Revolutionen und selbst langwieriger Bürgerkriege kam es dabei nicht an. Ein Comite New-Yorker Finanzsachverstän diger, die Kemmerer-Kommission, ist in Südamerika von Land zu Land ge reist, um den Regierungen gute Rat schläge und gute Dollars zu bringen, vorausgesetzt, daß die südamerika nischen Länder dafür den Vereinigten Staaten vorteilhafte Konzessionen ein räumten. Jetzt beherrschen die Nord amerikaner die wichtigsten Hafenplätze, die Zinnbergwerke in Bolivien, die Sal peterindustrie in Chile und sogar einen Feil des brasilianischen Kaffeemarktes. Aber das Hauptziel sind zwei andere Rohstoffe, d ie für den Ausgang des englisch-amerikanischen Wirtschafts kampfes von entscheidender Bedeutung sein werden: Gummi und Oel. Zurzeit herrscht auf beiden Gebieten scheinbar Friede. England, dem die größten Gummiplantagen der Welt gehören, hat jahrelang die Kautschukpreisc künst lich in d ie Flöhe getrieben, wovon die amerikanische Automobilindustrie am stärksten betroffen war. Um sich von England unabhängig zu machen, hat Henry Ford in Brasilien ein Terrain von einer Million Hektar an sich ge bracht und von der brasilianischen Re gierung die Erlaubnis erhalten, die Gummiwälder auf diesem Gebiet aus- zubcuten, um für seine Automobilreifen sich die nötigen Rohstoffe zu beschaffen. Fünfzig Jahre lang ist die Ford-Kon zession frei von allen Steuern, und erst nach zwölf Jahren muß Ford ein paar Prozent seiner Gewinne an den brasi lianischen Staat und die Gemeinden ab- fiihren. Audi auf diesem Gebiet tritt also Amerika als der Angreifer auf, ■wenn auch England freilidi vorläufig von der amerikanisdien Konkurrenz noch nicht viel zu fürchten hat. Ganz anders aber steht es auf dem noch wichtigeren Petroleum-Markt. Hier hat Amerika seit den Anfängen der mo dernen Erdölindustrie das Uebergewicht. Es ist heute weitaus der größte Oel- produzent der Welt, aber England ver fügt über die größeren Oelreserven. In Rußland, wo der Kampf zwischen den amerikanischen und den englischen Oel- interessenten in der letzten Zeit am schärfsten herging, hat man sich ge einigt. Sir Henry Deterding, der eng lisch-holländische Oelkönig, beklagt sich nidit mehr über das „gestohlene Del , das die Amerikaner von den Sowjetrussen kaufen, sondern er kauft selbst das ver maledeite Sowjet-Oel. Aber dafür spitzt sich der Oclkrieg in Südamerika immer mehr zu. Hier sind die Amerikaner in die Abwehrstellung gedrängt, und sie befürchten das schlimmste. Ein ameri kanischer Publizist hat kürzlich unter dem aufreizenden d itel „We Fight for Oil“ ein Kampfbuch gegen England veröffentlicht, das die politisch interes sierten Amerikaner geradezu verschlun gen haben. Denn in diesem Buch sind alle Schandtaten aufgeführt, die die Engländer in Mittel- und Südamerika bereits begangen haben und noch be gehen werden. Sie haben sich nicht nur in Venezuela in den Besitz der wert vollsten Oelfelder gesetzt, sondern sind 16