louse-Lautrec war, bei diesem vibrieren den Anatom aller adligen und laster haften Lüste, kein theatralisches Erleb nis, desto intensiver jedoch das Erlebnis des Seins, des Seins eines Menschen oder einer Menschin, bei denen jedes Atom der Epidermis unerhörte, nervenpeitschende Sensation auf den Beschauer übersprin gen läßt. Trotz solcher Zurückhaltung der neuen Kunst haben doch Maler von Schwind bis Hodler, von Klinger bis Munch, das dämonische Geschehen der Liebe in jedermann lesbaren Hieroglyphen hin geschrieben. Das diesen Künstlern Ge meinsame ist die innere Keuschheit, ist das Erschüttertsein vor einem Phäno men, das trotz aller Klugheit, und trotz dem wir es so herrlich weit gebracht haben, doch immer wieder den Menschen urzuständig überfällt, ihn in die Hölle stößt oder in den Himmel reißt. Die Größe dieser Malerei ist, daß sie jede abgestandene Allegorie und Symbolik meidet, daß sie genau so, wie es das Gesetz der Gegenwart verlangt, nicht sentimental träumt, sondern nur dar stellt, was ist. Allerdings: diese Maler der Geschlechtlichkeit unseres Ge schlechts sehen das frühlinghafte Er wachen der Liebe, ihren Kampf und ihre Zerfaserung, ihre Explosionen und ihr Entsagen mit hellseherischer Eindring lichkeit, mitleidlos wie Strindberg und trunken von der großartigen Offen barung, daß der Fluß einer Linie und der Rhythmus eines Körpers die knappste und durch Ewigkeiten hin wirksame Konzentration zartesten und glühend sten Erlebens sind. Mit Genehmigung Oes Verlages K. l J iper & Co., München Liebespaar Gemälde von Konstantin Somoff 2 1 7