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fremden Mannes entfesseln konnte. Meine Annahme bestätigte sich bald. Da die Engländerin, übrigens ein Mädchen aus sehr altem englischen Adelsgeschlecht, die einzige diskutable Dame auf dem Schiff war, so reizte es mich, mit dem Pascha einen Kampf aufzunehmen. Bald hatte ich mich ihr genähert und glaubte, sie ebenso gefesselt zu haben, wie sie mich fesselte. Jedenfalls wies sie den Araber plötzlich zurück, und zwar in einer Weise, die auf das grausamste den Rassestolz gegen den Rassefremden betonte. Der Araber zog sich, auf eine hochmütig ver letzende Bemerkung von ihr, die sie über dies noch in meiner Gegenwart machte, vollkommen zurück, und sie, welche Kälte und Leidenschaft und Grausamkeit der Frau in sich vereinigte, legte es darauf an, ihm, wenn wir uns gemeinsam trafen, zu zeigen, wie nahe ich ihr stand. Was für mich zuerst ein Spiel ge wesen, wurde nun glühender Ernst. Ich fieberte dem Tage entgegen, der uns an Land und in Alexandrien in ein Hotel führen sollte. Auf dem Schiff selbst hatte mir Evelyn nichts anderes gestattet als eine leidenschaftliche Umarmung, einen Kuß und glühende Worte der Zärtlichkeit. In dem Unbeobachtetsein des Hotels dagegen versprach sie mir mehr. — — —■ Wir kamen in Alexandrien an und fuhren, um nicht Aufsehen zu erregen, getrennt ins Hotel. Evelyn, die von der Reise etwas ermüdet schien, versprach mir, das Diner mit mir zu nehmen. Ich selbst, nachdem ich mich erfrischt hatte, trat vor die Tür des Hotels, um nach einem Wagen Ausschau zu halten, der mich am Kai entlang durch die Villen vorstadt führen sollte. In diesem Augen blick kam aus der Hotelhalle der Pascha. Er grüßte mich höflich und sagte: „Ich sehe, Sie suchen einen Wagen. Darf ich Sie bitten, den meinen zu benutzen? Ich glaube, daß meine Pferde besser sind als die, die Sie hier finden, und ich würde mich aufrichtig freuen, wenn Sie für ein Stündchen zum Tee mit mir hinausführen — Sie wissen, ich habe meinen Wohnsitz hier ganz in der Nähe.“ Die Einladung war in solcher Höflichkeit und gleich mäßigen Freundlichkeit erfolgt, daß ich, der die Sitten und die Gastfreundschaft der Araber kannte, den Pascha durch eine Absage aufs tiefste gekränkt hätte. Wir fuhren schweigend durch die arabischen Gassen mit ihrer Buntheit und ihrer Farbe, bis uns die breite Kaistraße im warmen Licht des ägyptischen Nach mittags aufnahm. Hier ließ der Kut scher die Pferde laufen. Ich war schon zu oft Gast in arabischen Palästen ge wesen, um über die Pracht und ver wirrende Kostbarkeit auch dieses Hauses erstaunt zu sein. Immerhin setzte mich in dem Zimmer, in das wir geführt wur den, die Art des Fußbodens in Verwunde rung. In einer Ecke dieser großen Halle nämlich zeigte der Boden, der sonst von Teppichen bedeckt war, eine Zeichnung wie die eines Schachbrettes. Nur, daß die Felder außerordentlich groß waren und die seltsamen, geschnitzten Figuren etwa die Größe eines kleinen Kindes hatten. Der Pascha bat mich, einen Augenblick zu warten, indessen er sich umkleidete. Und schon stand ein weiß gekleideter Diener in der langen Galabye vor mir und reichte mir den heißen Tee, der nach arabischer Sitte stark mit Ambra gewürzt war. Ich saß auf dem breiten seidenen Ruhebett, trank den Tee und wunderte mich etwas, daß der Pascha, arabischer Sitte entgegen, mir nicht selbst das erste