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war weder zum Geldslehlen zu bewegen noch zum Mitwirken beim Abhäuten von Remitieren, die Matti als Wilddieb getötet halte. Das verdammte Fremdenblut hat den Jungen so bockbeinig gemacht, meinte Matti, aber er würde ihn mit den Jahren schon ziehen. Aber Juhani blieb wie Stein, alle Prügel und Fußtritte nützten nichts. Jetzt war er bald so weit, daß er sich selbst sein Brot verdienen konnte, und ein paarmal hatte Juhani schon mit „nach- Kirkenes-gehen“ und „grubenarbeiten“ aufgetrumpft. Aber Matti hatte sich gegen Juhanis Weggang gesträubt. Er wäre noch zu weichknochig für die schwere Gruben arbeit und könne sich leicht einen Knacks fürs Leben holen. Der Alte hielt Juhani auf seine Weise. Er war schließlich Fleisch von seinem Fleisch, und die Prügel, die er dem Jungen gegeben hatte, waren alle wohlverdient. Matti richtete das Abendessen her. Er fand irgendwo einen abgenagten Renn tierknochen und warf ihn in den Kessel. Ein süßlicher Fleischgeruch stob durch die Ilütte, und der Hund leckte sich die Schnauze. „Das wird schmecken!“ schmatzte der Lappe und schlurfte zur Holzpritsche nach einem Laib Flachbrot, nachdem er den Kessel vom Ilerd auf den Fisch gesetzt hatte. „Komm und lutsch dein Mark, Juhani!“ Der Junge, der am Feuer dem Hund über den Rücken strich, schwieg. „Na, kommst du?“ fragte der Lappe. „Ich eß kein gewildertes Fleisch“, trotzte der Junge auf. „Du denkst wohl, ich weiß nicht, daß das ein Knochen von John Traestis Remitier ist. Ich hab’ sehl- gut gesehen, wie du’s abgeschlachtet und das Fleisch in die Erde gegraben hast.“ Gefährliches Wettern spielte in den schwarzen Pupillen. Matti war derart aufgebracht, daß er den Knochen an die Wand schleuderte. Das Mark spritzte. „Lüge, Lüge“, quarrte er. „Den Kno chen hab’ ich gestern von Sjur Nemini gekriegt.“ Er trat auf den Halbwüchsigen zu, die Faust ihm vor der Nase ballend. „Sag’s noch ein einziges Mal, du Lause junge, und ich schlag dich zum Krüppel!“ „Ich weiß, daß du stiehlst wie ein Rabe“, muckte Juhani weiter auf. „Du klaust, wo du nur kannst.“ Rasend schlug ihm der Lappe ins Ge sicht. „Das ist der Dank, daß man den Balg aufgezogen hat! Pack dich! Ich will dich nicht mehr vor den Augen haben!“ In grausig-verrückter Tollheit tanzte der Lappe im Zimmer herum. Schaum stand auf seinen Lippen, und er fühlte nach dem Griff des am Beinkleidgürtel im Schutzschaft steckenden Dolchmessers. „Jawohl, diesmal gehe ich!“ rief der Junge, schon halb aus der Tür. „Bei dir, Mausefritze, will ich keine Minute länger bleiben!“ „Fahr’ zur Hölle!“ schrie der Lappe und warf ihm das herausgezogene Messer nach. Aber der Junge war schon draußen, und die Slahlklinge blieb zitternd unter halb der Türklinke stecken. Der Lappe riß die Tür auf. „Sieh zu, daß du deinen Vater findest“, rief er in die Nacht. „Vielleicht kann er dir ’ne bessere Erziehung geben!“ Nicht so rasch wich die Tobsucht von Matti. Er hopste herum und fluchte, daß davon die Wände hätten schwarz werden können, und als er erst entdeckte, daß das ausgehungerte Hundevieh nicht nur den Knochen zerknackt, sondern auch den Flachbrotlaib gemopst hatte, wollte er 56