Volltext Seite (XML)
Wort für ,,Elefant“! Ich mußte schließlich die Definition des Stationsvorstehers akzep tieren: „alter Herr mit langer Nase“. Ich führte die „alten Herren“ aus ihrem Wag gon und ließ sie unter den Bolivianern, die sich allmählich beruhigten, als ich mit den Riesen spielte, einige Kunstslückchen machen. Wie von ungefähr warf ich ein paar Münzen auf die Erde, und als meine Reisenden sie mit ihren Rüsseln schnell aufhoben, reg nete es von allen Seilen bolivianisches Geld, dann Früchte, Tücher, Flaschen, kurz: so viel Naturalien, daß ich mir in kluger Vor sehung zwei leere Güterwagen anhängen ließ. Die ganze Fahrt durch Bolivien war bis her in dieser angenehmen und einträglichen Art verlaufen. Von den Ehrungen allerdings, offiziellen Empfängen, Begrüßungen usw., die ich vor meiner Abreise in den argen tinischen Zeitungen angekündigt hatte, war in diesen primitiven Indianergebieten nichts zu merken. Ich beschloß, dem abzuhelfen. In Cucicasica, einem Städtchen gegen La Paz zu, traf ich einen Bürgermeister, der insofern ein außerordentlich gebildeter Mann war, als er in seiner Jugend einmal in La Paz einen Onkel besucht batte, der dort Ad vokat gewesen war. Diesem Dorfschulzen machte ich klar, daß Cucicasica früher eine blühende Universitätsstadt gewesen sei und daß der jeweilige Bürgermeister immer das Recht gehabt hätte, als Kanzler dieser Hoch schule Ehrendoktoren zu ernennen. Der treffliche Biedermann ließ sich das nicht zweimal sagen und verlieh meinen „alten Herren mit der langen Nase“ die Würde von Ehrendoktoren der Universität Cucica sica, heftete sie auch mir auf meinen ■Wunsch noch an, so daß ich jetzt neben meinem Professor von der Indianeruniversi tät Wisconsin auch noch einen wirklichen Dr. h. c. habe. Ich hatte inzwischen so viel Ketschua gelernt, daß meine Elefanten eine wohlgesetzte Dankesrede an die Stadtväter hallen konn ten. Der Film fritze, dem sich hier eine Sen sation bot, zahlte — ziem lich freiwillig — eine Extrasumme. Wir schlugen dreißig Prozent für seine Firma drauf, zogen dreißig für den Direktor ab und teilten ehrlich untereinander zur Hälfte. Man hatte bis dato in Bolivien noch keine Elefanten gesehen. Ich bekam daher auch bald Besuche von Gelehrten und ähnlichen besseren Herrschaften, die sich die wunder lichen Geschöpfe ansehen wollten. Eines Tages wurde auch dies wissenschaftliche In teresse, von dem ich sonst geschäftlich nicht viel halte, nutzbar: der bolivianische Silber könig Paccalilo fragte bei mir an, ob er einen Elefanten kaufen könne? Ich ver neinte es und telegraphierte gleichzeitig chif friert an Ilagenbeck: „Absendet sofort fünf Elefanten, event. leicht angestoßene Exem plare, an amerikanisches Konsulat La Paz. Nur Bullen. Preis 5oo e. Pfund pro Stück. Für mich zehn Prozent Provision.“ Im Ver lauf einer Woche hatte ich tatsächlich die fünf Elefanten abgesetzt, zahlbar gegen Kon nossement beim amerikanischen Konsul in La Paz. Meine Prozente hatte mir Hagen- beck, der in dieser Beziehung äußerst nobel ist, sofort gedrahtet. Ich hatte selber schon daran gedacht, zu rückzukehren — ich hatte fürs Geschäft rund 20000 Pesos zusammen, für mich fast ebensoviel —, als ich ein Telegramm vom Direktor bekam: „Tournee sofort abbrechen, zurückkehren.“ Als ich in Buenos Aires ankam, stellte sich heraus, daß meine Be richte so fabelhaft gezogen hatten, daß die Eröffnung der neuen Spielzeit keinesfalls mehr herausgezögert werden durfte, wenn nicht das Interesse erlahmen sollte. Fortsetzung auf Seite 100 . . Er blieb auf seinen Krokodilen sitze 53