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ich das dem Direktor ablieferte, fand er es miserabel wenig und gab mir nicht einen Cent davon. EinGlück, daß es Aooo gewesen waren! Bei den Bahngesellschaften bemühte ich mich, mehr herauszuholen. Ich ließ aus New York — durch Mill Brothers, mit denen mich seit vielen Jahren eine gegenseitige zehnpro zentige Freundschaft bei allen Geschäften verband — die neueste Modetorheit melden: Elefanten als Portiers in eleganten Wohn häusern. Der Elefantenmarkt würde eine noch nie erreichte Hausse erleben, Ilagen- beck hätte Riesenaufträge bekommen und würde nach dem Ausfall meiner Elefanten reise nach Bolivien erwägen: ob er seine ganzen Transporte direkt via Hawai—Buenos Aires per Achse La Paz—Panama erledigen könne. Diese Nachrichten entfachten einen Wettbewerb unter den nach dem Norden Argentiniens verkehrenden Bahngesellschaf ten, und ich schloß mit der Northern Argen- tine Ilailway ganz gut ab: sie stellte den Zug natürlich gratis, teilte die Einkünfte aus den daran angebrachten Reklameaufschriften mit uns zur Hälfte, garantierte auf allen Stationen Musikkapellen und Volksbegeiste- rung, stellte für meine Reisebulletins ihr Kabel zur Verfügung und zahlte 6000 Pe sos. Da ich außerdem noch 5 ooo Pesos bekam von einer Firma, die unsere Elefanten als Ansichtskarten, Tierschutzkalendertitel bilder, Wahlpropagandaaschbecher für die Liberale Partei in Massen hers teilen lassen wollte, hätte ich gar nicht mehr loszureisen brauchen. Aber als solide Geschäftsleute wollten wir natürlich unseren Verpflich tungen nachkommen, und so fuhr ich unter ungeheurem Hallo mit meinen Viechern ab. Ich sah noch die Menge der Photographen und ärgerte mich schwer, daß der Alte wieder ein Geschäft ohne mich machte, denn er schlug aus den Bilderrechten mindestens seine 1000 Pesos heraus. i 4 ooo Pesos hatte meine Idee bisher dem Menschen schon ein gebracht! Und dafür kein Wort des Dankes! Wahrhaftig, man würde als armer Mann sterben, wenn man sich auf diese Zirkus direktoren verließe. Ich drahtete gleich von der ersten Station aus an Ilagenbeck: wie viel Prozente er bei Elefantenverkauf be willigen würde? Die von der Northern Argentine Railway kontraktmäßig gelieferte Volksbegeisterung war in der Tat großartig. Als ich das ent setzliche Gedränge auf vier, fünf Halte stellen mitgemacht hatte, sagte ich mir: Schluß! Von jetzt ab nur noch gegen Ein trittsgeld. Die Sache fluppte ausgezeichnet. Sobald der Zug einlief, sperrte der Bahn hofsvorsteher — der natürlich seine Pro zente bekam — alle Zugänge und ließ nur noch gegen Zahlung von 3 o Gent passieren. Gleich auf der ersten Station brachte das 3 ao Pesos. Ich ließ die Elefanten in ihrem Waggon sitzen, an den Fenstern, aus denen sie herausgrüßten und ihre Ansprachen hiel ten. Je weiter ich nach Norden kam, desto vorsichtiger mußte ich damit übrigens sein; denn hier verstanden die Leute das als Teufelsspuk und ergriffen entsetzt die Flucht, wobei ich meiner Einnahme ver lustig ging. Das durfte nicht zum zweiten Male passieren, also reiste ich zunächst mit stummen Elefanten weiter. Nie werde ich unsere Ankunft an der bolivianischen Grenze vergessen: als meine hohen und breiten Reisenden ihre Rüssel aus dem Wagenfenster steckten, erstarrte die ganze Menschheit in der Um gebung zu völliger Regungs losigkeit. Das Unglück wollte es,, daß hier kein Mensch mehr Spanisch verstand, alle sprachen das indianische Ketschua, und in dieser Sprache gibt es kein „Heute iSonder-Gala-Pradit-'Vor- stellung des Circo Imperial! !! w