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i>). ly-' Ein köstlicher Bart fürwahr II Kakadus der Miß Mara wohnten, einen Stuhl, auf den ich mich setzte, um einzu schlafen. Ich vernahm noch, wie einer der hellhörigen Yögel kurz aufkrächzte, in dem ■Wagen daneben ein Krokodil sich im Was serbassin bewegte und wie ein Elefanten rüssel nach der Furagekammer herüber tastete, um eine Portion Heu wegzustehlen. „Aber, meine liebe Frau Geheime Rat, es ist doch eine Affäre, eine Affäre ! Skandalös, omineux, facheux, douloreux, honteux seien Sie nicht bösl Aber eine Affäre, eine Affäre, eine Affäre I ' Ehe ich über diesen im schnellsten Tempo hervorsprudelnden Redeschwall nach- donken konnte, fiel schon die Partnerin ein: ,,Aber meine liebste Mademoiselle, so sagen Sie, sprechen Sie, erzählen Sie, was Sie wissen, hörten, sahen, erfuhren — —, ich bin nicht neugierig, Gerede hin, Gerede her, aber wär’ er —.“ Da plapperte auch schon eine dritte Stimme los: „Wer? der? — — Er? — — sehr?“ Die erste („Mademoiselle“ also wohl) kicherte, etwas geziert, altjüngferlich, spinös und brabbelto dann mit gedämpfter Stimme: „Er hat sie auf alle Donnerstage eingeladen, seine Kunstsammlungen zu sehen. Und Frau von Wedel hat von ihrem Neffen, dem Leutnant von Knebel, erfahren, daß sie zwei Stunden daselbst verblieben sei — — —.“ (Kleine Pause für lebhafte Zwischenschnalzer: „schittiti tucktucktuck — ooohl“) „Das stimmt ja ganz zu jenem Brief gen,“ zischte jetzt die Frau Geheirpe Rat los, „den, wie mir Baron Merck zuflüsterte, die Frau Superintendentin kennt, deren Demoisell der Hofmeister des jüngsten Sohnes des Landesstall meisters erzählte, daß ihn die Servanle auf dem Sekretär der Gnädigen deut lich gesehen habe .“ „Lotte, bei meiner Liebe — lieber Engel, ich bitt’ dich doch, komm’ ja mit auf Ettersburg — —“, zitierte die Mademoiselle. — „Lotte, bei meiner Liehe — Lotte, bei meiner Liebe — bei meiner Liebe lieber Engel “, kreischten, keiften, krähten jetzt die drei Damen, unisono, daß es sich spitz auf mein Trommelfell bohrte. Dann fiel das Gelächter zu einem Geflüster herab. Ich konnte keine Worte mehr unterscheiden, manchmal nur tauchte ein spitzer Laut über mäßig hoch, ein kurzes grelles Klirren. Caramba! Ich hatte die letzte Revision der Wachen verschlafen! C Uhr! Wahr scheinlich hätte ich noch weitergeschlafen, wäre nicht der alte Josef an mir vorüber zum Papageien wagen gestolpert, um seinen Schützlingen das erste Frühstück zu servie ren. Mit aufgeregtem Geflatter und Gekrächze wurde sein löbliches Vorhaben begrüßt. Ich trat zu den grün, rot, blau, gelb, weiß durcheinanderschwirrendenKrummschnäbeln, „Da haben aber heute nacht drei gequatscht, Josef — —!“ Er lachte mich aus seinen dänischen Was seraugen an: „Och, die alten dahinten, nie derträchtige Weihers! —“ 48