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Welt, zog aus nach Abenteuern, Gefahr und Tod. II. Dies bewog ihn, Löwen in Afrika und Tiger und Elefanten in Asien zu jagen, in Indien Pestkranke zu pflegen und eine wissenschaftliche Expedition nach dem Lande der Kannibalen zu rüsten, welche einige unbekannte Inseln des Stillen Oze ans zum Ziele hatte, wo die Eingeborenen mörderischen Fieberdünsten zum Opfer fielen. Von allen diesen Ausflügen kehrte er mit Tieren und Pflanzen, Waffen und Teppichen, Götzen, Statuen und allerhand exotischem Krimskrams beladen, anson sten jedoch unversehrt zurück. Der Tod, den er beständig im Nacken sitzen fühlte, ließ ihn unbehelligt. Nur ein einziges Mal ward ihm ein kurzer Augenblick der Hoffnung: von einem mächtigen engli schen Dampfer gerammt, barst sein Schiff in einer Nebelnacht auf offenem Meere mitten entzwei. Inmitten von Angst, Verwirrung und Kopflosigkeit blieb er allein ruhig, gefaßt, ja froh darob, daß ihm nun endlich gelingen müsse, zugrunde zu gehen. Doch war seine Freude verfrüht: das Schiff sank so lang sam, daß sich jedermann ohne besondere Mühe zu retten vermochte, sogar die Aus beute der Expedition konnte auf den Eng länder überführt werden. Als der Graf nach Paris zurückgekehrt war, ergab er sich jeder Art von gefähr lichem Sport. Er ritt die wildesten Hür denrennen, wobei er eine verdächtige Pas sion für die störrischen Gäule offen barte. Einmal, in Auteuil, verfehlte er den Tribünensprung und stürzte mitsamt seinem Pferd in den Graben, kam aber, zu seinem Unglück, mit einem verstauch ten Knöchel davon. Auch im Autosport wurde er vom Unglück verfolgt. Die be rüchtigte Wettfahrt Paris—Nizza, deren Unfalliste sieben Tote und dreizehn Schwerverwundete aufwies, gewann er als Erster mit seinem selbstgelenkten roten Wagen, ohne daß er unterwegs auch nur einen einzigen Köter überfahren hätte. Und doch wäre er diesmal jede Wette eingegangen, daß es ihm nicht gelingen würde, Nizza lebend zu erreichen, denn die Konkurrenzfabriken kämpften einen Kampf bis aufs Messer mit Hilfe ihrer zu allem bereiten Chauffeure, denen wahrlich wenig genug am Leben eines lumpigen Amateurs gelegen war. Der Wahrheit die Ehre: dem lumpigen Ama teur selber, dem Grafen Jollyot, war noch weniger daran gelegen. Ihn reizte weder Geld noch Ruhm, es war der Tod selbst, den er erringen wollte, ihm jagte er nach, dem alle übrigen entrinnen wollten. Man sieht: es war ein ungleicher Kampf, in dem der Graf Sieger bleiben mußte. III. Nach einer solchen Kette von Mißer folgen blieb dem Grafen nur noch eine einzige Möglichkeit: die Luft. Er be schloß, zu fliegen und war nach Verlauf einiger Wochen schon so weit, daß er mit seinem eleganten Eindecker sich sicher und ruhig in die Luft erheben konnte. Sicher, weil er sein Handwerk gründlich erlernt hatte; und ruhig, weil er damit sein Schicksal endgültig besiegelt zu ha ben glaubte, er war sich bewußt, daß er früher oder später rettungslos herabstür zen würde wie so viele vor ihm. Alexander Graf Jollyot errang sich in kürzester Zeit den ersten Platz inmitten jener Braven, die gemeiniglich „Helden der Luft“ genannt werden. Seitdem er zum erstenmal aufgestiegen war, ver brachte er den größten Teil seines Lebens