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3 auf den Tisch und lief zu einem bekannten Schauspieler. „Lieber Freund,“ sagte ich ihm, „er kläre mir, was braucht man, um auf der Fülme einen Erfolg zu haben?“ Seine Antwort war knapp und kurz: „Frechheit!“ „Was??“ „Ja. Wenn du genügend Frechheit hast, so wirst du Erfolg haben, man wird dir applaudieren. Also vergiß nicht: Sich nicht verblüffen lassen und frech sein . . .“ Ich ging beruhigt fort. * Auf der Probe bemerkte ich, daß der Souffleur die Hauptperson war — alle blickten zu ihm voll Verehrung hinab. Ich hatte keinen Dunst von meiner Rolle, stellte aber mit Vergnügen fest, daß das ganze Ensemble konform mit mir ging. Der Schauspieler, der die Rolle des allen Grafen spielte, spitzte seine Ohren, sah den Souffleur an und wiederholte jedes W ort, das der Souffleur sagte. Er sprach: „Ich habe mein ganzes Vermögen verspielt...“ Fnd ein paar Sekunden drauf fügte er hinzu: „Nein, ich kann Sie nicht heiraten!“ „Das sind nicht Ihre Worte!“ rief der Souffleur... „Das sagt Ihre Tochter!“ Und die Tochter wiederholte mecha nisch die Worte: „Nein, ich kann Sie nicht heiraten!“ In diesem Sinne ging die ganze Probe. * Im ersten Akt mußte ich in einem weißen Tennisanzug aus der Seitenlürc auf die Bühne hinauslaufen. Vor dem Auftritt drückte man mir ein Rakett in die Hand. Ich warf das Rakett weg und lief auf die Bühne hinaus. „Da hin ich!“ rief ich lustig. „Grüß Gott!“ rief die Schauspielerin. „Hören Sie, da fliegt eine Biene herum; ich fürchte mich, gehen Sie mir Ihr Bakett, ich werde sie töten ...“ Sie schaute mich an und fragte verlegen : „Wo ist Ihr Bakett?“ Bakett? Frechheit hilf mir... „Sei mei nen, b räulein, die Rakete, die ich früher in der Hand hielt? W r issen Sie, ich habe heute Geburtstag, da habe ich die Rakete abgebrannt . . . Es war sehr lustig ... sie sauste in die Luft . . . Nun, wie fühlen Sie sich? Wie geht es Ihnen?“ „Danke, gut!“ antwortete die Schauspie lerin schnippisch. Ich zündete mir eine Zigarette an und verließ ruhig und kaltblütig die Bühne . . . * „Ihr Auftritt!“ sagte der Hilfsregisseur. „Ich weiß!“ antwortete ich nervös und begann, meinen Schnurrbart zu drehen. Und plötzlich — mein Herz zuckte zu sammen — blieb ein Teil des Schnurr bartes in meiner Hand . . . „IhrAuftritt! “wiederholte derRegisseur. Ich riß den Schnurrbart herunter, hielt ihn in der Hand und lief auf die Bühne. Meine ersten Worte waren: „Mutier, der Graf hat mein Gesuch abgelehnt.. Ich beschloß die Phrase zu ändern: „Mutter, ich habe mir den Schnurrbart abrasiert. Nicht wahr, fesch?“ Da der Schnurrbart in der Hand mir hinderlich war, legte ich ihn auf den Tisch und sagte: „Da haben Sieden Schnurrbart zum An denken . . . Sie können ihn in ein Me daillon stecken. Ja, wissen Sie, Mutter, der Graf hat mein Gesuch abgelehnt...“ „Er hat es gewagt?“ sagte meine Mutter. Auch diese Szene ging glatt vorüber. . . Meine Frechheit hatte gesiegt. * Im dritten Akt waren meine ersten Worte: 148