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Hunde bemerkt zu werden fürchtete. Aber er war offenbar in der Küche. Am Giebel hätte ich fast aufgeschrien vor Freude: eine Leiter war gerade an das Giebelkreuz gelehnt. Ich ließ mich hinunter, nahm einen Satz von den untersten Latten und fiel Rasmine in die Arme. ,,Bist du das?“ keuchte sie, „ich war ge rade auf dem Wege zu dir hinauf — es sucht jemand auf dem Boden herum, ich weiß nicht, wer es ist. Ich wollte dich herausholen, komm!“ Sie nahm meine Hand und zog mich nach dem weißen Gebäude hinüber. Ich dachte an meinen Ulster, meine Koffer. Aber es wirbelte mir im Kopfe herum, und ich folgte blind, die kalte Hand des Mädchens in meine fieberheiße drückend. Ich sah, daß sie in einen Gummi regenmantel gehüllt war. Das war der letzte Eindruck. Als wir um eine Ecke bogen, umschlang ein sehniger Arm, ein Matrosenarm meinen Hals so fest, daß er sozusagen im Schraub stock saß. Gleichzeitig preßte eine teer riechende Faust meinen Mund zu, und ich fühlte zwei kleine schnelle Hände meine Weste aufreißen, die Brieftasche heraus ziehen , , . * Ach, kleine Rasmine, ob ich dich auf meines Lebens Pfad jemals wiedertreffe! Oh, dann solltest du mit mir tanzen und „Tabak und Wein, Wein, Wein" bekom men, kannst du mir glauben! Die Welt ist klein für uns, die wir verurteilt sind, von Hafen zu Hafen zu ziehen und unsere Liebsten zu nehmen, wo wir sie finden. Einige Jahre im Zuchthaus gehen auch vor über, und wir sind ja beide jung. Dein Bruder, der Wirt des Hotels zur Ilimmels- höhe, hat auch noch ein Hühnchen mit dir zu rupfen und mit ihm, dem frechen Burschen, der sich nun so herrlich amüsiert. — Hast du wirklich noch Minnas Armband mit den Blutrubinen und den Golddia manten? Ha, du kleine hübsche Rasmino mit den Makrelenaugen, was die Zeit lang sam vergeht, langsam vergeht, langsam ver geht Sek wester Akel one Von J e s p e r Ewald D ie Kleine kommt trällernd herange hüpft, die Arme voller Chrysanthe men. Sie bleibt vor dem Fenster meines Zimmers stehen, reckL sich zwischen den Stockrosen empor und eröffnet ein freund schaftliches Bombardement auf das Inventar des Zimmers. Die Geschütze sind abgerissene Blumen, kleine Steinchen, einzelne verrostete Nägel und verschiedenes Hausgerät. Eine emaillierte Kasserolle bullert langsam und leise über meinen Schreibtisch, eine hand voll Ilühnerfedern entschließt sich, nach einigem Umherschweben auf meinem Schei tel Platz zu nehmen, und über meinen Hän den rieselt Gartenkies. Ich beuge mich aus dem Fenster. „— das mußt du nicht tun — sage ich mit milder, väterlicher Buhe. „Du darfst nichts zu Vater hineinwerfen, während er arbeitet, das tun süße, kleine Mädchen nicht. Aber du bist vielleicht gar kein süßes, kleines Mädchen?“ Sie nickt sehr eifrig. — „Doch — ich bin süß!“ „Dann kann ich aber nicht begreifen, daß du schmutzige Sachen zu Yater hineinwirfst. Wenn du wirklich süß bist, so gehst du jetzt artig weg und spielst mit der kleinen, weißen Miesekatze. Sieh nur, wie sie über die Rlti-