Volltext Seite (XML)
wäre. Sie wäre auf gestanden, um nachzu sehen, aber es wäre niemand draußen ge wesen. Eine halbe Stunde später kam ein Telegramm mit der Nachricht, daß der Vater meiner Mutter sterbenskrank und die Gegen wart meiner Mutter erwünscht wäre. Meine Mutter reiste ab, und einige Tage später wurde auch mein Vater telegraphisch zu meinem sterbenden Großvater gerufen. Wir fünf Geschwister blieben mit einer Aufwarte frau allein, ln einer der folgenden Nächte wurde ich selbst durch solch unheimliches Zeichen geweckt. Ich erwachte mitten in der Nacht durch drei sehr starke Schläge gegen die Haustür. Ich blieb noch lange wach, um zu warten, ob sich die Schläge wieder holen würden. Aber alles blieb still. Zu weilen kam es vor, daß mein Vater nachts zur Vornahme von Amtshandlungen geweckt wurde. Aber für solche Fälle war ein Klin gelzug da, der den Beamten bekannt war. Am Morgen gegen 8 Uhr kam das Tele gramm, daß mein Großvater in dieser Nacht verschieden sei.“ Fabrikbesitzer Schaffner, Miesbach, Oberbayern: Is Junge von 12 Jahren arbeitete ich im ersten Stock unserer Villa in meinem Zimmer an einer lateinischen Übersetzung. Plötzlich sehe ich die Klinke der Zimmertür sich bewegen, als ob sie jemand nieder drückte. Die Tür öffnete sich auch richtig. Erst als die Tür völlig geöffnet war, senkte sich die Klinke allmählich. Trotzdem war niemand zu sehen. Dies geschah am 5. Juni 1910, dem Todestage meiner Groß mutter. Im gleichen Jahr wurde mein Stiefvater operiert und lag im Krankenhause. Ich schlief damals bei meiner Mutter in einem großen Zimmer und im Zimmer nebenan meine Tante, die Schwester meiner Mutter. Plötzlich Punkt 7 Uhr, wie mich der Blick auf die Uhr belehrte, hörte ich ein Klopfen, und kurz darauf erschien meine Tante und fragte uns, ob wir ihr geklopft hätten. Meine Mutter hatte den Klopfton nicht gehört. Dies Klopfen wiederholte sich in Zwischenräumen von etwa zehn Minuten nochmals und noch mals; und jedesmal fragte meine Tante, ob wir geklopft hätten. Kurz nach 8 Uhr teilte uns das Krankenhaus telegraphisch mit, daß mein Stiefvater genau um 7 Uhr ge storben sei.“ Pfarrer B. aus K. im Riesengebirge: ch bewohnte noch mein Pfarrhaus allein und war damals Anfang vierzig. Es hatte frisch geschneit, als ich gegen 10 Uhr zu Bett ging. Der Mond schien. Um 1 Uhr nachts wachte ich auf, die Uhr im Nebenzimmer schlug eins. Als ich wieder einschlafen wollte, sah ich am Fußende meines Bettes einen alten Studienfreund stehen. Ich hatte gar nicht mehr an ihn gedacht, seit Jahren, seit Jahrzehnten nicht! ,Nanu, wie kommst du um diese Zeit her?' fragte ich. Die Erscheinung war so greifbar, daß mir Zeit, Ort, verschlossene Türen usw. gar nicht zum Bewußtsein kamen. Da entfernte er sich schon. Ich sah und hörte die Zimmertür sich öffnen und schließen, hörte Schritte im Treppenhaus, das Öffnen und Schließen der Haustür und hörte, wie sich gedämpfte Schritte im Schnee entfernten. Augenblick lich verließ ich das Bett und ging hinunter. Die Haustür war verschlossen, ich öffnete. Keine Fußspuren im frischen Schnee! Drei Tage später las ich im Reichsboten die To desanzeige dieses Freundes: ,. . ■ nachts 1 Uhr entschlief ...‘ Es war in jener Nacht gewesen.“ Bekundung Verstorbener Von der Bekundung eines Verstorbenen weiß zu erzählen: Oberst a. D, von Witz le b e n, Berlin-Charlottenburg, Kantstr. 146: er älteste Bruder meines ft-m Vaters stand in den vier- I ziger Jahren des vorigen ~~ ff'C^tosjk ff Jahrhunderts in Weimar ff a ^ s Leutnant in Garnison ff Ci ra un d wohnte bei seinen Eltern. Mein Großvater war in Weimar diensttuender Kammerherr. Eines Morgens erzählte mein Onkel, er habe in vergangener Nacht geträumt, daß er an seinem nächsten Geburtstage sterben werde. Als er am nächsten und dritten Morgen angab, in der jedesmal voran gegangenen Nacht den gleichen Traum gehabt zu haben, wurde ihm bedeutet, solche Träume, die ohne Wert seien, für sich zu behalten, um nicht seine Angehörigen zu beunruhigen. 829