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und fröhlicher Mensch. Der kam eines Morgens zum Frühstück und sagte nur kurz: ,Guten Morgen!' Da er sonst immer etwas Lustiges zu erzählen hatte, fiel das meiner Mutter auf, und sie fragte nach der Ursache. Da sagte er: ,Ich bin heute morgen zu einem Leichenzuge gekommen. Obgleich es noch dunkel war, konnte ich sieben Wagen und den Leichenwagen erkennen. Vor letz teren waren zwei Pferde, ein Schimmel und ein Fuchs, gespannt.' Da sagte meine Mutter: ,Peter, du hast geträumt. Im ganzen Dorfe ist weder ein Schimmel noch ein Fuchs.' Er aber sagte: ,Ich habe es bestimmt gesehen!' Reichlich ein Jahr danach fiel unser Nachbar beim Apfelpflücken so unglücklich vom Baum, daß er tot liegenblieb. Der nächste Nachbar sollte den Leichenwagen fahren. Doch dessen Pferde hatten sich in der letzten Nacht im Stalle losgerissen und sich gegenseitig so zerschlagen, daß sie fast nicht gehen konnten. Nun wurde im Dorfe nachgefragt, wer das Gespann für den Leichenwagen stellen könne. Aber alle Pferde waren schon anderweitig zum Fahren bestimmt, ln der Not lief man zum Nach bardorfe und erhielt dort die zwei Pferde, einen Schimmel und einen Fuchs. Vieles andere hat der Mann noch gesehen. Aber wenn er von seinen Gesichten sprach, wurden wir Kinder sonst immer entfernt." Valentin erzählt noch weiter, wie ein an derer Hellseher seiner dörflichen Heimat, der noch nie eine Eisenbahn gesehen hatte, 1870 den Bau der Kiel-Flensburger Eisen bahn, der erst 1882 erfolgte, mit allen Ein zelheiten vorausgesehen hatte. Dabei sah er, daß der Eisenbahnzug durch das Husbyer Moor fuhr, was damals Fachkundige für aus geschlossen hielten. Tatsächlich wurde sie später durchs Moor gelegt. Er sah auch vor aus, daß später dieses Moor trockengelegt wurde, erlebte aber die viel später erfolgte Trockenlegung nicht mehr, während er die Verwirklichung seines Bahngesichtes noch sah. Weiter schildert Valentin, wie dortige Seher und Seherinnen Leichenzüge, Brände, Einzelheiten der Kämpfe von 1864 und die Auswirkungen des Weltkrieges in Schleswig- Holstein auf Jahre vorausgesehen hatten. In das Gebiet des He 1.1 sehens bzw. Hellhörens gehören vielleicht die Todes warnungen, von denen William Klotz zu Beverly Hills, Waiden Drive 716, in Kalifornien, eine erzählt: ch war an der französi schen Front soeben von meinem Posten abgelöst worden, als ich meinen Namen William rufen hörte. Auf meine Frage am Unterstand, wer mich gerufen habe, bekam ich zur Antwort ,niemand'. Wieder wurde ich gerufen und folgte dem Rufe unwillkürlich aufs Feld. Kaum war ich fort, erfolgte ein Krach! Aufschreien! Der Unterstand hatte einen Volltreffer erhalten. Alle Insassen waren tot. Wenn ich meiner inneren Stimme nicht gefolgt wäre, war auch ich ein Opfer des Krieges. Das geschah 1917." Ob alle Todesankündigungen als Hellsehen bzw. Hellhören anzusprechen sind, ist fraglich. In manchen Fällen mag diese Erklärung zutreffen, in vielen ist sie ausge schlossen! Hellseherisch ist vielleicht der Fall zu deuten, den Frau Maria Becker, Cott bus, Moltkestraße 18, erzählt. Sie sah sieben Tage vor dem Tode ihres Vaters abends um 9 V: Uhr in wachem Zustande eine schwarze, in Schleier gehüllte Gestalt und, weiter im Hintergründe, eine graue am Fuß ende ihres Bettes stehen. Auf die Frage: „Wer bist du?!“, erwiderte die Schwarze mit Grabesstimme: ,Bestürzung*, worauf beide Erscheinungen verschwanden. Genau sieben Tage später um dieselbe Zeit starb Frau Beckers Vater bei einem Ausflug in die Berge am Herzschlag. Hellsehen ist jedoch bei einer Todesankün digung ausgeschlossen, die der Schriftsteller A. M. Schumann, Berlin - Weißensee, Parkstraße 70, erlebte. Er bewohnte vor dreiundzwanzig Jahren bei einer Witwe ein möbliertes Zimmer. Der älteste Sohn der Wirtin lag wegen eines schweren Kehlkopf- leidens im Krankenhause. Genau eine Woche vor dem Tode dieses Sohnes blieben im Zim mer Schumanns der Wandregulator und seine eigene Taschenuhr auf die Minute der Todesstunde 3 Uhr 22 stehen, ohne daß sie abgelaufen waren oder einen Schaden aufzu weisen gehabt hätten. Ein Unterschied in der Zeit bestand allerdings insofern, als die beiden Uhren Sonntag f r ü h 3 Uhr 22 stehen blieben und der Tod am darauf folgenden Sonntag 3 Uhr 22 nachmittag erfolgte. Daß Uhren nicht nur zur Sterbestunde stehen bleiben, sondern auch schon vorher unerklär liche Störungen zeigen, ist mir noch aus ver schiedenen ändern Fällen bekannt. 827