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Etikettefragen Der Querschnitt Von Adolf Loos f H. H. — Ihr brief beginnt auf der ersten seite, setzt auf der zweiten seite des briefpapieres fort und endet auf der vier ten. Aber idi würde ihnen raten, briefe in folgender art zu schreiben: Erste seite. Dann dreht man das blatt um — vorausge setzt ist eine löschpapierunterlage — und schreibt auf der vierten seite weiter. Dann schlägt man das briefpapier auf und be schreibt die zweite. Nun legt man das papier quer und beschreibt die dritte seite. So tun es die engländer und amerikaner. Praktische erwägungen (das abtrocknen fällt dabei weg) haben zu dieser sitte ge führt. Ich lese jeden brief so und kenne mich daher in den österreichischen briefen schwer aus. A. R. — Wenn sie einem freund auf der Straße begegnen, der mit einer ihnen unbe kannten dame geht, haben sie auch bei großem sozialen abstand zuerst zu grüßen. Doch dürfen sie nicht beide grüßen oder, was noch schlechter wäre, den bekannten allein. Man nimmt den hut vom köpfe und blickt geradeaus. V. G. — Die dame unter allen umstän den rechts gehen zu lassen ist ein Unsinn. Im wagen hat sie wohl rechts zu sitzen. Beim einsteigen läßt man der dame den vortritt und geht eventuell hinten um den wagen herum, um einzusteigen. So hält man es auch mit männlichen gästen. Aber auf der Straße überläßt man der dame den besseren weg. Bei uns kommt es vor, daß fanatiker der „ehrenseite“ die dame ruhig in pfützen steigen lassen, während sie selbst den trockenen weg gehen, wenn sich zu fällig der gute pfad links befindet. Auf dem bürgersteige geht man auf der nach dem fahrdamme zugekehrten Seite. J. Kap. — (i) Ostkerne spukt man in die hohle faust, die man vor den mund hält, und legt sie auf den teller. ( 2 ) Brot und semmel darf man nie schneiden. Brechen. Auch darf man nicht brot oder semmel mit der gäbe! aufspießen, um damit die sauce aufzutunken. Wohl kann man aber ein stück brot oder semmel in die Hand nehmen und die />auce damit auf tunken. Aber dazu gehören Geschicklichkeit, Übung und grazie. (1903 erschienen) enthält in seinem letzten Sonderheft: „SEINERZEIT 64 (IOOO bis 1014): Psychologie der Vorkriegszeit Ge schichte des Schnurrbarts „Es ist er reicht“ / Zauber und Komik alter Photos / Vom Tafeldecken bei Hof und reichen Leuten / Eigenarten Eduards VII. / Die Deutschen auf der Weltausstellung 1900 / Kunst und Amüsierbetrieb in Berlin um 1900 / Wie man damals einen Mann bekam / Der preußische Adel vor 1914 / Die Wahrheit über das Nachtleben / Ge schichte des deutschen Witzblattes / Soziologie des Briefkastenonkels / Die frechen Schlager der sittsamen Zeit / Erlebnisse mit Sudermann / Das Radel- Madel-Korps / Modewörter 1900 bis 1911 u. v. a. Viele alte Photos und Zeichnungen „Sie glücflicfic 3ufammen(fellung btefee QuerfcfinitMfjeftea täfit niefit nur bie Ärmif mobifefier unb (tUiftifcfier Ulfiern* fieiten beutlicfi tt>e-ben, fenbern fie jeigt auefi, »iesiel baraua noefi lefienbig ift." 93offifcfie Scttung „Sie Q3ilber, bie fiier auagegrafien ftnb, bie originellen Tefrte, bie man ifinen beigab, unb bie groteafen Otcminif- jenjen runb fierum »erben manchem eine frofie ©funbe bereifen.“ 8=Ufir=3tbenbblaff, 93erlin „(Ein erfreulicher ÜSerfucfi, bie EDIanata* fefirift »eiterjufüfiren.“ Oleue ‘3« c d> tt 3«'tung Preis M. 1,50 Nachbestellungen (soweit der Vorrat reicht) durch jede Buchhandlung oder beim KURT WOLFF VEREACi BERLIN NW 87 433