Erik Nitsche Der Mann , der das Abteüfenster aufbrachte Dann gibt es Seereisen. Bald merkt man, daß zur See der Raum eng und die Zeit lang ist. Immer sieht man dieselben Gesichter. Cliquen bilden sich, zerplatzen, befeinden sich; drohend steht das Gespenst der Seekrankheit im Hintergrund. Autoreisen stellen allerhand Anforderungen an das Betragen. Man erwartet etwas vom Besitzer eines Wagens, nicht nur, daß er schneidig überfahren kann. Luftreisende scheinen sich bis jetzt noch am besten zu betragen, vielleicht, weil sie wissen, daß sie im Falle eines Unglücks alle gleichermaßen um kommen werden. Doch gibt es auch da Leute, die ausgetrunkene Sektflaschen über Bord werfen und die Steuerung zertrümmern. Warum soll man sich auf Reisen eigentlich anders betragen als im gewöhnlichen Leben? Weil man mit den lieben Mitmenschen in engere Berührung kommt? Weil man in anderer sozialer Umgebung lebt? Wer weiß denn, ob die Leute im Hotel mit ihrem vornehm-wichtigen Getue nicht alle Hochstapler sind? Man sagt: Reisen erfrischt, bildet, belehrt. In Frankreich gibt es Leute, die in der Sommerferienzeit ihre Fensterläden schließen und alles tun, um den Eindruck zu erwecken, sie seien verreist. Diese Unglücklichen bringen einige Wochen in der Hitze ihrer Dachkammern zu und leben von Konserven, nur, um vor ihren Nachbarn im Nimbus einer Sommerreise dazustehn. 414