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in Form der Gewaltausübung zum Bösen ist selbst böse. Der „Teufel“ ist als Engel „edier“ als der Mensch — aber auch „böser“. Jede Überordnung des Machtwertes über das Gute, Rechte, die geistigen Werte, das Heilige ist grober Irrtum, sei es in der Gottesidee, sei es im Verhältnis von Staat und Recht oder im Verhältnis von Held zu Genius. Am Anfang war nicht die Tat, sondern das Wort. Friedrich Nietzsches Lehre, man könne aus dem „Willen zur Macht“ alles andere, auch die Formen der Kultur, die Tugenden, den Verstand usw. herleiten, ist falsch. Die Übertreibung des dynamischen Charakters der Welt ist eine Eigenart des germanischen Geistes (Kraftbegriff, Voluntarismus, übertriebener Heldenkult: Treitschke). Dem Helden ist Welt an erster Stelle als Widerstand, d. h. als reale Welt gegeben. Er ist Wirklichkeitsmensch, als der Typus, der „Ideen“, wie sie der Genius einseitig nur erblickt, in den konkreten Stoff der Welt einführt. Dazu muß aber immer eine höhere geistige Kultur und ein religiöses Bewußtsein hinter dem Helden stehen, soll er nicht blind werden. Er ist auf diese einmalige, kon tingente, zufällige Welt bezogen mit allen ihren harten Realitäten. Er ist ein großer Realist-Praktiker. Der Wille zur Macht ist aber in dem, den wir einen Helden nennen, wesens mäßig verknüpft mit der maximalen Verantwortung und der Liebe zur Aus dehnung der Verantwortung. Kühnheit, Mut, Tapferkeit, Geistesgegenwart, Entschlußkraft, Liebe zu Kampf, Wagnis, Gefahr zeichnen den Helden im Unter schiede zum Furchtmenschen, zum Sekuritätsmenschen aus; ebenso Leidenskraft, Duldungskraft, Ermessung der Kraft am Leidenkönnen, ganz abgesehen wofür. Leibesschönheit, Form und Gewandtheit in Spiel, Tanz und Betragen, Straffheit — ohne künstliche Mechanik —, Tüchtigkeit (virtus der Römer) sind ihm eigen. Der Held ist „Ausgabemensch“, nicht „Einnahmemensch“: er ist gütig aus Ver schwendung, opferwillig gegen Freunde. Abstandsgefühl gegen das Gemeine erfüllt ihn (Standesehre und -kodex) und erotische Instinktsicherheit. Er ist Träger des erotischen Ideals im doppelten Sinne, daß das Weib begehrt, was als heldenhaft gilt, und er das Weibesideal schafft — es ist ein Unterschied, ob der Mann das Weibesideal schafft, oder umgekehrt, wie in femininen Zeiten. Der Held ist das Rassenvorbild, das die Geschlechtswahl bestimmt, und so die qualitative Mischung der Erbwerte der künftigen Generation mitbestimmt, unabhängig von der Form der Geschlechtswahl. Nicht nur seine wirklichen Kinder, sondern das So-sein auch der Kinder aller anderen bestimmt er mit — das, was hier als schön gilt. ★ Staatsmann, Feldherr, Kolonisator sind die Haupttypen des Helden. Wo Staatsmann und Feldherr in Personalunion erscheinen, wie in Cäsar, Alexander, Napoleon, Friedrich dem Großen, Prinz Eugen, stellen diese Menschen in der Einheit des geistigen Plans und der Verantwortung die höchsten Formen des aktiven Heldentums dar. Wo es nicht der Fall ist, soll prinzipiell der Feldherr dem Staatsmann unterworfen sein. Krieg ist Fortsetzung der Politik als Macht kampf (Clausewitz) mit dem Mittel der Gewalt — das Mittel darf also nicht zum Zweck werden. Sehen wir nun auf das Wesen des Staatsmanns für sich. Gibt es ein Wesen des Staatsmanns ? Nur so sicher, wie es ein Wesen des Staates gibt, d. h. der Staat nicht eine historische Kategorie ist, wie die theoretischen Anarchisten be haupten; wie auch Marx behauptet in seiner Lehre vom Klassenstaat, der im kommunistischen Zukunftsstaat überwunden werden soll zugunsten einer klassen- und herrschaftslosen, internationalen Wirtschaftsorganisation, bei der nur die