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Ostens in grazilen Tänzen und unbekümmerten Kostümen. Be achten Sie bitte, verehrte Herr schaften, die außerordentliche Sorgfalt und die Arbeit, die hier im Dienste des Vergnügens ge leistet wird.“ Ein Haufen neuer Gäste pol tert herein. Der Kellner be richtet den Bocholter Herren, das seien wichtige Persönlich keiten, dabei weist er auf Ab zeichen, die die Neuankömm linge im Knopfloch tragen. Heute beginne die Tagung eines Verbandes der Fabrikanten von Spezialmaschinen, sicher fänden in den nächsten Tagen noch viele Kongreßteilnehmer den Weg hierher, das Etablissement werde stets von den besten Kreisen bevorzugt, zumeist von Industriellen und Kauf leuten. „Zigaretten, Puppen, Bon bonnieren.“ Rotes Licht kündigt einen Tango an, die Herren aus Bocholt tanzen mit ihren Damen, sie haben schon viel getrunken. Ein alter Mann, weißhaarig und verfallen, dreht sich allein auf dem Tanzboden, das Sektglas in der vorgestreckten Hand haltend, das Publikum brüllt vor Lachen und klatscht den Takt mit den Händen. Da verliert er das Gleichgewicht und schlägt mitten im Saale hin, das Glas zer splittert, zwei Kellner heben ihn auf, er schwankt lachend an seinen Tisch zurück. „Wir fahren weiter auf unserer Weltreise. Wo anders kann eine Weltreise auf hören als in der Stadt der Schönheit und der Freude, in Paris. Sie sehen von dem berühmten französischen Schönheitsballett einen Frühlingstanz, eine Allegorie der Liebe, der Rosen und der Freude. Ich erbitte Ihre Aufmerksamkeit für diese Komposition faszinierender Grazie und moderner Girlkunst.“ Die Bocholter Herren sind jetzt vollkommen betrunken, der eine liegt in der Sofaecke, den Arm um seine Dame gepreßt, er lallt ihr ins Ohr. Der andere hängt auf seinem Stuhl, er ist eingeschlafen und schnarcht laut, sein Mund ist offen, der Kopf liegt auf der Schulter, unter den hohlen Augen treten dicke Tränensäcke vor. Die Mädchen drängen zum Gehen, man bricht auf. Draußen dämmert es schon. An der verwitterten Mauer lehnt ein Einbeiniger, er hilft den Gehenden ins Auto und bittet um ein Trinkgeld. Der Portier schließt die Tür, nachdem die letzten Gäste das Lokal verlassen haben. Schäfer-Asc 613