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Besitzer das Unglück ereilt. Berühmte Sultane und Maharadschas haben den Stein besessen, bis er in die Juwelen kammer des Towers wanderte. Auch der „Nassak“, der schon 1818 in Händen des Marquis of Hastings, des Führers der englischen Streitkräfte in Indien, war, ist, wie so viele berühmte Steine, in englischem Besitz geblieben. In der Mitte des 18. Jahrhunderts stahl ihn ein französischer Soldat, der als Wärter bei dem „Orloff“ aufgestellt war, aus dem Bramahnentempel in Seringham und verkaufte ihn für 10 000 £ an einen englischen Seeoffizier, der ihn nach London brachte. Nachdem er noch dutZendemale den Besitzer gewechselt Maria Bride Diamantenhändler hatte, sah ihn Prinz Orloff, und schenkte ihn seiner Herrin, Katharina der Großen, um sich auch weiterhin ihre wankende Gunst zu sichern, was ihm aber nicht gelang. Viel Unheil hat auch der „Pigott seinem Besitzer, dem Khediven von Ägypten, gebracht. Der Khedive wurde 1882 von seinem Feind Raschid Pasha ermordet, aber noch bevor er an seinen Verwundungen starb, befahl er, den Diamanten in des Mörders Gegen wart zu zermalmen und seine Lieblingsfrau Vasileia zu erdrosseln. Die Frau entkam, aber der „Pigott“ wurde vernichtet, und nur das Modell ist nun übrig. Abenteuerlich war auch das Schicksal der „Sancy“, die nach und nach im Besitz der ermordeten Shakespearekönige und des guillotinierten Louis XVI. war. Jetzt trägt ihn Lady Astor. Herr Dembitzer, voller Freude, in dem Fremden einen aufmerksamen Hörer gefunden zu haben, fragt ihn, ob er noch weiter erzählen soll. Natürlich soll er weiter erzählen. Denn nicht die Diamanten an sich sind wichtig, wichtig ist nur, was ihr Besitz aus den Besitzern gemacht hat. Als 1829 der berühmte russische Schriftsteller Gribojedof, der damals Rußlands Botschafter in Persien war, in Teheran ermordet wurde, erkaufte sich die persische Regierung die Gnade Rußlands, indem sie ihr berühmtestes Kleinod nach St. Petersburg sandte: den „Shah von Persien . Auf der Weltausstellung in Paris (1867) konnte man den „Stern des Südens bewundern, der einem indischen Fürsten gehörte. Sein Be sitzer wurde später verurteilt, da er mitgeholfen hatte, einen hohen englischen Beamten mit Hilfe einer Mischung von Diamantstaub und Arsenikum zu töten. Diamantstaub gilt in ■ Indien überall als das wenigst schmerzhafte, schnellst- wirkende und nie versagende Gift. Die Geschichte der berühmtesten Diamanten enthält viele Kriminalfälle, die nie geklärt wurden. Wo — fragt Herr Dembitzer — ist jetzt der „Stern des Westens“, der im Besitze von Erzherzog Franz Ferdinand war, wo der Pit-Diamant, der mit vielen, vielen französischen Kronjuwelen 1792 aus der Garde Meuble in Paris gestohlen wurde? »Vor einigen Tagen“, bemerkt jetzt der Fremde, „ist in Westtransval ein 603