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ihm gelieferte Menge der Ware ohne sein Zutun, ja ob er will oder nicht, dem Kaufenden offenbar wird, nicht zum Betrüge an diesem letzteren imstande sieht, ob das ihn in bezug auf die Seele verbessern oder verschlechtern wird? PHAIDROS: Verbessern doch offenbar, da ihm die Möglichkeit, schlecht zu handeln, genommen wird. SOKRATES: So also glaubst du, daß der gut Handelnde auch an der Seele ein Guter ist? PHAIDROS: Wie denn nicht, o Sokrates? SOKRATES: Wenn du, o Phaidros, zwei Sklaven hättest, von denen der eine dasjenige, wozu er angestellt ist, von selbst, der andere aber nur unter An drohung von Schlägen verrichtete, welcher scheint dir dann wohl der bessere zu sein? PHAIDROS: Der es von selbst Tuende. SOKRATES: Wenn aber noch ein Dritter vorhanden wäre, bei dem auch das Androhen der Schläge nicht ausreichen würde, sondern nur das dauernde Dabei stehen eines ihm Übergeordneten, der ihn zu jeder einzelnen Handlung zwänge, wie würde dir wohl ein solcher erscheinen? PHAIDROS: Beim Zeus, als der Allerschlechteste! SOKRATES: Scheint dir nun nicht, mein Phaidros, diese Benzinpumpe einem solchen Sklavenaufseher zu gleichen, der den Verkäufer zum Gut-Handeln zwingt? PHAIDROS: Gewiß wohl, o Sokrates; aber wie, wenn der Verkaufende auch ohnedies nicht zu betrügen die Absicht hatte? SOKRATES: Ein Trefflicher bist du fürwahr in bezug auf die Dialektik, o Phaidros, aber eben auf dieses sollte meine Rede recht eigentlich abzielen! PHAIDROS: Wie denn wohl, o Sokrates? SOKRATES: Nun, wenn der Treffliche auch ohne das Anzeigen des Ver kauften nicht hätte betrügen wollen, wie muß dann dieses Anzeigen auf seine Seele wirken? PHAIDROS: Es wird das Gute darin noch unterstützen, o Sokrates. SOKRATES: Das nun eben scheint mir, beim Zeus, mit nichten der Fall zu sein. PHAIDROS: Wie denn wohl, o Sokrates? SOKRATES: Wenn du, o Phaidros, ein schnellaufendes Pferd oder auch einen wohljagenden Hund besitzest, wirst du dasselbe das ganze Jahr im Stalle lassen, oder wirst du es auf alle Weise üben? PHAIDROS: Ich werde es auf alle Weise üben, o Sokrates. SOKRATES: Was nämlich würde geschehen, wenn du es nicht auf alle Weise üben würdest? PHAIDROS: Es würde mit der Zeit langsamer laufen und endlich ganz lahm werden. SOKRATES: Scheint es sich nun nicht mit dem menschlichen Willen ganz ähnlich zu verhalten? PHAIDROS: Wie denn wohl, o Sokrates? SOKRATES: Auch der Wille, so scheint es, muß, wenn er nicht geübt wird, allmählich schwächer werden und endlich erlahmen. Und wenn nun diese Benzin- 596