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Hans Pfeiffer Die Entführung Und so laß uns denn, wie an der Platane am Ilissos, so an der Benzinpumpe am Mittelweg niedersitzen und miteinander uns unterreden. Denn auch hier fürwahr scheint mir der Ort einem solchen Vorhaben nicht unangemessen zu sein: das Benzin murmelt mit sanftem Ton und verbreitet einen der Nase angenehmen Duft, Vögel, wenngleich nur Sperlinge, zwitschern auch hier, und scheint dir nicht diese eigentümliche Vorrichtung, mit deren Hilfe das Benzin in den Wagen gepumpt wird, schon an und für sich mancherlei philosophische Betrachtungen anzuregen? PHAIDROS: Inwiefern wohl, o Sokrates? SOKRATES: Nun, fürs erste ließe sich daran eine Betrachtung anknüpfen über die Wandelbarkeit nicht nur dessen, was wir mit unseren trüglichen Sinnen erfassen, sondern auch dessen, was als Sitte oder Gepflogenheit in den Geistern der Menschen Wurzel gefaßt zu haben scheint. Denn wer wohl, o Phaidros, hätte noch vor fünf Jahren zu behaupten gewagt, daß hier, in dem mit Recht als Pöseldorf bezeichneten Stadtviertel, eine Benzinpumpe sich aufrichten werde? PHAIDROS: Nur ein Wahnsinniger, beim Zeus, o Sokrates ! SOKRATES: Aber nicht nur dieses ist es, worauf der Anblick dieses Gegen standes unsere Gedanken zu lenken vermag. Hast du bemerkt, o Phaidros, daß dieses Werkzeug von selbst diejenige Menge des Benzines, die der Verkäufer ab gegeben hat, anzeigt und auch dem Käufer zu erkennen ermöglicht? PHAIDROS: Wie denn nicht, o Sokrates ? SOKRATES: Nun denn, mein Phaidros, was, glaubst du wohl, wird diese Erfindung in der Seele des Verkäufers befördern, das Gute oder das Schlechte? PHAIDROS: Wie denn zwar aber meinst du das, o Sokrates? SOKRATES: Beim Zeus, nicht unklar dürfte meine Frage den meisten er scheinen. Ich meine, da dieser Verkäufer sich durch den Umstand, daß die von 2 * 595