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HANS REIMANN, Sächsisch. (Was nicht im Wörterbuch steht.) Mit Original zeichnungen von Karl Holtz. R. Piper & Co. Verlag, München. Wenn in dr heudjn schweren Zaid aim Härrn Dichdr unn Schrifdschdellr ain glänzjes Maisdrwärgg gelingd, dann is jehdes Middl anngebrachd, um middn Loowe nidi hindrn Bärche zu halldn. Was dr Härr Reimann gelaisded hadd, war schohn ann Taajje das Erschainns ä glassisches Buch. Sowasgannnuhr aus Gemiedsdiefn aines kanz Kroßen quelln. Da fähld nischd. Gaksdi unn Aerrnsd sinninglaichrwaise beriggsichdijd. Sowas shraibd drMänsch nur aimalimLähm, unn durch sowas hadds’chdr Härr Reimann dnAnschbruch auf dä Unsdiderblichgaid enndgilldj gesicherd. Awer auch däm wohlwollndstn Härrn Rezensenndn unn Gridiggr schdehd das Rejjd auf Dahdl zu. Där Kewandhausdohn unn die Kewandhausschbraache in Laipzj sinn von Härrn Reimann nich so ausfiehrlij kewürrdijt wordn wie es frleichd saine Ordnungk hädde, — um dr Wahrhaid dä Ehre zu gähm: erhaddsegarnich erwähnd! Wenn in Laipzj dr gemaine Mann saacht: de Bärme, so saachn die wo in Gewand haus abohnierd sinn unnauchsonsd Bildungk haam: de Pürrne! — Daraus mejde dr Härr Reimann ersähn daßj sei Buch mid Vordeil sdidudierd unn alles richdj gelärnd hawe. Awer ganz genau genomm solldj saachn: ich gonndes schon vorhär! Hans Rothe. JOSEPH MARIA LUTZ, Der Zwischenfall. Verlag Piper & Co., München. Aus dem tiefsten Bayern. Frei nach Thomas „Kleinstadtgeschichten“? Nein. Denn es steckt so viel Psychologie (zum Teil mit Dostojewskij-Kinkerlitzdien) zwischen der Handlung und so viel Kommentar zwischen den Dialogen, daß man eher sagen könnte, das Buch stamme von Ludwig Thomas Mann. Lutz, ein Humorist im besten Sinn, besitzt das Schurfrecht für Weißwurscht-Charaktere. Manchmal malt er gemüt voll wie Spitzweg, manchmal pompös wie Lenbach und einmal (im kitschigen Inter mezzo) wie Franz Stuck. Die Pointe knallt, die Lustigkeit leuchtet, die Lektüre labt. Hans Reimann. ROBERT NEU MANN, Karriere. Verlag Engelhorn, Stuttgart. Robert Neumann hat von seinen pathetischen Verirrungen zu seinem wahren Talent heimgefunden, der Parodie, darin er schlechthin Meister ist. Die Karriere seiner Heldin, des Tingeltangelmädchens Erna, die in Arad, einer Stadt zwischen Budapest und Bukarest, beginnt und in Arad endet, wird von ihr selbst erzählt, nein, ge sprochen, und vom Autor mit phono-, ja pornographischer Naturtreue wiedergegeben. Der Stil ist naturalistisch, der Ton ordinär, die Erzählung sehr amüsant. Das ist die ewige österreichisch-ungarische Sprache, das Komiß-Dcutsch der Provinz, und diese Sprache wird trotz dem Zerfall der vielspradiigen Monarchie nie untergehn. Wtt. CHARLES VILDRAC, Das Inselparadies. Erich Lichtenstein Verlag, Weimar. Es hat den französischen Autor, als er dieses hübsche Kinderbuch konzipierte und niederschrieb, ausnehmend gereizt: sympathische Menschen in ein ihrem Wert ent sprechendes Milieu zu verpflanzen. Da es nun sympathische Menschen, wie von Kennern versichert wird, tatsächlich gibt, nicht aber konkurrenzfähige Milieus, sah Vildrac sich genötigt, eine Utopie zu verfassen. Er erfand, vor nichts zurückschreckend, einen reichen Menschenfreund. Dieser Herr, namens Vincent, hat eine Vorgeschichte; da er jahrelang nur mit Geldverdienen beschäftigt war, entfloh, Adresse unbekannt, die Gattin mit zwei Kindern. Vincent sah sein Unrecht ein und verwandelte eine Insel des Mittelmeers zu einem Paradies für kleine, nette Jungen, die der körperlichen oder seelischen Erholung bedürfen. Mit Hilfe von Güte, Humor, Flugzeugen, Gazetten, Motorbooten und ändern Utensilien des Kinderglücks gelingt sein Plan. Herr Vincent blüht auf. Doch Ferdi Lamandin, ein armer Junge, flieht, als er hört, seine Mama in Paris sei krank. Das Motorboot gerät in einen Sturm, Herrn Vincents Flugzeug rettet den Knaben, und man reist korporativ in die Hauptstadt, um Ferdis Eltern, seine Schwester Retti, seine Schulkameraden und seinen Lieblingslehrer für acht Wochen auf die Roseninsel zu verpflanzen. Charles Vildrac stellt eine Fortsetzung des Buchs in Aussicht. Ich denke, daß ihn die Kinder darum bitten werden, er möge nicht zögern. Erich Kästner. 653