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„Leguminotherapie“. Ja, er war ein Symbol der üppigen Vorkriegszeit, jener „Tisch der Korpulenten“ im „Salatorium“ bei Dresden. Ich weiß nicht, ob er heute noch in Funktion ist. Die aber damals um ihn herum saßen, sind längst durch Krieg und Inflation gründlichst entfettet, oder haben schon in jenes grüne Gras gebissen, mit welchem uns schließlich der größte aller Therapeuten von sämtlichen Leiden dieser Erde kuriert und erlöst. Sie werden vor dem Jüngsten Tag nicht mehr auferstehen. Nur „Heilmethoden“ tun das immer wieder; längst begraben kommen sie unversehens als neueste Mode fröhlich wieder daher. Soeben wird die „Leguminotherapie“ als dernier cri in Frankreich verkün det. Nun, Gemüse zu essen in bekömm lichem Maße war immer vernünftig, wird es immer bleiben. Nach den Lehren der neuen Gemüseheilkundigen aber haben die Gemüse weit darüber hinaus einen merkwürdigen Einfluß auf die körperliche und geistige Ge sundheit und können zahlreiche Krank heiten heilen, ja, Geistesstörungen be seitigen. So entwickelt die Kartoffel vernünftige Eigenschaften, seelisches Gleichgewicht und ruhige Gedanken. Die Karotte erzeugt einen ruhigen Charakter. Sie ist galligen Tempera menten zu empfehlen. Die grünen Bohnen sind ausgezeichnete Lebens mittel, welche zu liebenswürdigen Träumereien anregen und künstlerische Gedanken und Gefühle entwickeln. Die weißen Bohnen, denen die allgemeine Meinung nur einen bedingten Wert beimißt, sind in Wahrheit allen kör perlichen und geistigen Arbeitern zu empfehlen. Sie enthalten eine Aufbau substanz für das zentrale Nerven system, und zwar in viel reicherem Maße und in viel wirksamerer Form als selbst das Fleisch. Unsere Jugend schließlich sollten wir mit Spinat er nähren; er erzeugt ehrgeizige Gedan ken, Energie, Ausdauer und einen festen Willen. Vor dem Sauerampfer dagegen sollten wir uns hüten. Infolge seines Säuregehaltes verursacht er, wie es scheint, Entmutigung, Trübsal, un angenehmes Albdrücken und ungesun den Schlaf. Dies sind die Grundsätze der Le guminotherapie. Niemand sollte über diese neue Lehre ein Urteil abgeben, ohne vorher reichlich Karotten und grüne Bohnen zu konsumieren. Dr. Franz Mottek Der „anerkannte Führer der deutschen Okkultisten“ hatte zwar Medien entdeckt, die Chiffonfetzen und Zeitungsausschnitte „materiali sierten“, aber das genügte seinem Taten drang keineswegs. Endlich hatte er auch ein „Levitationsmedium“ aus findig gemacht, von dessen Taten er auf einem internationalen Kongreß in Paris Kunde gab, um dadurch Welt ruhm zu erlangen. Der junge Mann schwebte vor aller Augen in die Luft, allerdings im stockdunklen Raum, jedoch überall durch Leuchtbänder sicht bar gemacht. Ich selbst hatte einmal einer solchen Produktion beigewohnt. Da besuchte er mich, und ich fragte ihn, wie er denn das gemacht habe? „Das war doch ganz einfach. Ich stieg auf einen Stuhl.“ „Aber Sie schwebten doch viel höher!“ „Da stieg ich eben auf die Lehne.“ „Und fielen nicht in der Dunkel heit?“ „Das war ganz ausgeschlossen, denn die Kontrollen, d. h. der Meister und seine Schüler, hielten mich doch an den Händen!“ Dr. Max Kemmerich Adelina Patti singt in Bordeaux die Traviata. Ihr Partner, ein junger, noch unerfahrener Tenor, verständigt sidi kurz vor der Aufführung mit ihr über darstellerische Fragen. „Wo wün schen Sie während des Duetts im ersten Akt zu stehen?“ — „Wo es am wenig sten zieht“, erwiderte der Star mit dem süßesten Lächeln.