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fast ein Drittel der gesamten Erdober fläche gehört! Das sind Zah len, die jedem Volksschüler im Laufe seiner Stu dienjahre einmal vorgetragen wer den, aber sie halten nicht stand gegen die Statistiken der ,Volk-ohne-Raum- Patrioten“, die alles übersehen: daß es in den „Kolonien“ Eingeborene gibt, denen das Ackerland gehört, daß der weiße Mann in den meisten Kolonien nicht ackern kann, selbst wenn er diese Eingeborenen alle vertilgte, weil er dem Klima nicht gewachsen ist, daß beispielsweise England, wo die Arbeits losigkeit nach dem gewonnenen Krieg zeitweise schlimmer war als bei uns nach dem verlorenen, gern ein paar Millionen seiner Raumlosen in die ge sunden Dominions abschieben würde, daß sie sich aber nicht abschieben lassen, weil 99 vH. aller Menschen da leben und sterben wollen, wo sie ge boren sind! War denn Deutschland vor dem Weltkrieg kein Volk ohne Raum? Nein, sagen die Kolonial-Sektierer, wir besaßen ein Kolonialgebiet: Deutsch-Ost, Süd-West, Kamerun, Togo und etliche Südsee-Inseln, im ganzen zehnmal so groß wie das Mutterland. Das stimmt, obwohl bis 1914 nur wenig Deutsche davon wußten. Aber es stimmt auch, daß in all diesen Kolonialländern zusammen kaum fünfzehntausend Deutsche lebten, Soldaten, Beamte und Missionare eingerechnet. Unsere schönste und gesündeste Kolonie war Deutsch-Ost-Afrika, deren 25 jähriges Bestehen im August 1914 gefeiert werden sollte. Dort lebten damals im ganzen etwa 6000 Weiße, Frauen und Kinder eingerechnet, davon 3000 Deutsche. Heute, nach der Statistik von 1929, beherbergt dies herrliche Land, doppelt so groß wie das Deutsche Reich und eines der gesündesten, fruchtbarsten Gebiete Äquatorialafrikas, 5778 Europäer, davon 873 Beamte. In die 5778 aber sind aber mals Frauen und Kinder eingerechnet. Zieht man sie und die Beamten ab, dann bleibt der eigentlich produktive Stock männlicher weißer Kolonisten zurück, Pflanzer, Kaufleute, Unternehmer, diejenigen also, die ihre übervölkerten Heimatländer durch Auswanderung in die Kolonien wirklich „entlastet“ haben: es sind 2370 Mann! Die große Mehrzahl von ihnen ist mit Kapital ausgewandert und hat dies Kapital dem Mutterland entzogen, mit ganz leeren Händen wird überhaupt kein Weißer ins Land gelassen, mit weniger als 20 000 Goldmark kann auch der Bescheidenste zu keiner Siedelung kommen, die ihn und die Seinen, bei günstiger Konjunktur, ernährt. Die Verwaltung arbeitet mit einer Unterbilanz von durchschnittlich zwölf Millionen Mark jährlich, das ist, vom„Volk-ohne-Raum“-Standpunkt gesehen, 451