und Schrecken um sich her verbreitet. Mit visionärer Begeisterung spricht er von den Heldentaten der Legion: in 845 Kämpfen 435 Tote und 7646 Verwundete; etwa 67 v. H. der Truppenstärke. Ramo'n del Valle-Inclän gehört zur vorigen Generation, ist aber einer der herror- ragendsten Dichter der heutigen Zeit. Ein Meister des Stils, von großer drama tischer Wucht; unerreichbar in elegantester Ironie. Seine Romansatiren gegen politisierende Generale und andere Heldenführer sind köstlich. Die weltlich tätigen Kleriker nimmt er oft aufs Korn. Den größten Haß und Spott aber gießt er über seines Landes Könige aus; vor allem in mündlichem Zwiegespräch und improvisierend. So sehr, daß man ihn beinahe als „unglücklichen Liebhaber“ der monarchistischen Institution bezeichnen möchte. Seine Werke sind lebendiges Leben mit dem Pulsschlag heißen Blutes. „Don Ramön“ ist ein Kaffeehaus- Bohemien. Er sieht aus wie ein Schrat germanischer Wälder, ist aber ein urechter Spanier. Die Hornbrille trägt er schon immer, und nicht erst seitdem sie Mode wurden. Don Ramön verlor in der Jugend seinen linken Arm (übrigens auch im Kaffeehaus: unglückliche Folgen einer Rauferei). Er hat sich niemals rasiert. Jose Ortegay Gasset: Essayist großen Formats. Ein Denker europäischen Geistes, von universeller Bedeutung. Gewollt und bewußt entfernt er sich vom rein spanischen Wirkungskreis. Er ist Begründer und Leiter der besten Zeitschrift spanischer Sprache und eines Verlags, und er läßt deutsche Wissenschaftler und Autoren viel mehr zu Worte kommen als andere. Ortega y Gassets Analysen unserer Zeit und ihrer Mängel, seine kritische Einstellung Spanien selbst gegen über führten ihn zwangsläufig dazu, sich jetzt mit dem ganzen Einsatz seiner Persönlichkeit aufs aktuelle politische Kampffeld zu stellen; und zwar, ebenfalls logischerweise, auf die republikanische Seite. Kürzlich erließ er einen vielbeachte ten Aufruf an die Intellektuellen des Landes zwecks Gründung einer „Vereinigung zum Dienst an der Republik“. Cagancho, der Matador: Ein Torero darf nicht fehlen. Nicht seines Standes wegen, sondern weil ein rechter Torero eine ganze Anzahl spanischer Wesens eigenheiten und Lebensgewohnheiten verkörpert. Stolz, aber höflich; ungebildet, aber mit viel Menschenverstand; freimütig und freigebig; will leben und leben lassen. Er verspricht alles und hält nichts, ist ein guter Vater seiner Kinder und ein mäßiger Ehemann. Joaquin Rodriguez (alias Cagancho) entstammt einer Sevillaner Zigeunerfamilie und ist einer der großen, wenn auch unzuverlässigsten Künstler der Tauromachie. Er bekommt acht- bis zehntausend Pesetas für jede Corrida, in der er zwei Stiere zu torieren und zu töten hat; allerdings muß er auch seine sechs Leute davon bezahlen. 1930 nahm er an etwa siebzig Stierkämpfen teil. Cagancho bewohnt ein sehr gutes Haus, doch ist die Wohnung nach zwölf Uhr mittags noch völlig unaufgeräumt. An den Wänden ausgestopfte Stierköpfe, Fotos des Matadors und seiner Familie, und Heiligenbilder und Weihwasser- Schälchen. Im Schlafzimmer brennt ein Lämpchen über seiner Muttergottes statue. Das kleine Töchterlein des Matadors kommt schmutzig und fast nackt, nur mit einem viel zu kurzen unsauberen Hemdchen bekleidet, in das reich, wenn auch geschmacklos ausgestattete Zimmer, als wäre es ein Zelt an der Land straße; und umklammert, ängstlich aus tiefschwarzen Augen blickend, das frisch aufgebügelte Hosenbein ihres hochelegant dastehenden Papas. 189