Theo Scharf „Liebste. Die Moral?", echote der Gefragte. „Ja, so was wie Moral oder Pointe?! Willst doch nicht behaupten, daß irgendeine Pointe . . .?" „Aber Liebste. Die Pointe?", gab der alte Herr zurück, nachdem er vergeblich höflich kurze Weile der Vollendung des Satzes entgegengeschwiegen hatte. „Was soll denn diese Geschichte? Sie hat ja gar keine Existenzberechtigung. Was spielst du dich als Held dieser gänzlich würzlosen Erzählung auf?" „Liebste. Ich? Als Held? Wieso? Vielleicht ist es deiner Aufmerksamkeit ent< gangen, daß ich ja erst beim Anfang meiner Geschichte bin?" „Du steckst ja mitten in dieser Geschichte drin; sie nähert sich bereits ihrem Ende!" „Es ist dies das erstemal meines Wissens", stellte der alte Herr fest, „daß die Perspektive einer Geschichte von einer Ebene auf die andere voltigiert. Ein Phäno. men in der Geschichte der Literatur. Wert, von einer verständigen Redaktion ihren Lesern dargeboten zu werden. Eine unerschöpfliche Quelle neuer Verdienstmög. hchkeiten für Literaturprofessioneis. Ich für meine Person sehe mich leider ge. zwungen, aus dieser Geschichte auszutreten, denn es könnte der Verdacht auf. tauchen, daß ich mit meinen einleitenden Worten hätte zu einer Geschichte aus. holen wollen, die irgendwie zu einer kommerziellen Ausbeutung gebracht werden sollte. Ein unstatthafter Verdacht, dem zu keimen auch nicht die geringste Mög. lichkeit geboten werden darf." 173