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mannschaft. Manchmal tun sich vier oder fünf Freunde zu einem kleinen Or chester zusammen und bringen von ihrer Überfahrt noch etwas Taschengeld für das nächste Jahr mit. Einer sagte mir: „Um Frankreich sehen zu können, habe ich fünfzigtausend Teller gewaschen.“ * Preceptorials. Preceptorials ist eine Idee Wilsons. Ein Professor versammelt eine Stunde lang eine kleine Anzahl Studenten, fünf oder sechs, um sich und läßt sie einen Text erklären. Ich schließe mich einer solchen Gruppe an. Der Lehrer ist jung, äußerst intelligent, das Zusammensein ganz vertraulich. Sportliche Kleidung: weißer, lebhaft gestreifter Pullover. Es werden Zigaretten geraucht. Der Professor gibt den Studenten Feuer und raucht selbst. Der Autor des Textes ist Pope. „Haben Sie Pope gelesen,“ fragt der Professor, „was gefällt Ihnen an ihm, was langweilt Sie?“ Sie antworten ganz zwanglos ohne vorgetäuschte Bewunderung. Auch ich werde plötzlich befragt, als wäre ich ein Schüler. Köstliches Gefühl, fünf Minuten lang sechzehn Jahre alt zu sein! „Alexander, lesen Sie diese kurze Landschaftsschilderung. Es ist eine klassische Landschaft, nicht wahr?“ „Ja“, sagt Alexander und legt einen Augenblick seine Zigarette fort. „Woran erkennen Sie das? Stellen Sie sich vor, ein romandscher Dichter, etwa Shelley oder Byron, hätte die gleiche Landschaft beschrieben . . . Was hätte er daraus gemacht? Transponieren Sie sie in die romantische Art.“ Die Stunde verstreicht mit erstaunlicher Schnelligkeit. * Smith College. 1870 starb in der Nähe von Northhampton (Massachusetts) eine reiche alte Frau, Sophia Smith, sie hinterließ dreihunderttausend Dollar und beauftragte ein Komitee, mit diesem Geld eine weibliche Universität zu gründen. Die Stifterin verlangte, daß die Heilige Schrift an dieser Universität systematisch studiert, daß aber keiner Sekte ein Vorzug gewährt werden sollte. „Ich möchte“, hieß es in ihrem Testament, „mein Geschlecht nicht weniger weiblich machen, ich möchte vielmehr den weiblichen Geist möglichst voll ständig entwickeln und den Frauen die Gelegenheit zu einem anständigen, nütz lichen und ehrenvollen Leben geben.“ Die Landschaft ist entzückend. In den Baumalleen reihen sich kleine cottages aneinander. Die jungen Mädchen wohnen in Gruppen von zwölf oder achtzehn zusammen. Das Haus, in dem ich untergebracht bin, heißt Ellen Emerson. Ich nehme meine Mahlzeiten im gemeinschaftlichen Saal ein, als einziger Mann. Von meinem Fenster aus sehe ich am Fuß eines baumbedeckten Hügels einen See. Die weibliche Rudermannschaft trainiert dort im weißen Sweater. Es ist sehr merkwürdig, in einer Frauenstadt zu leben. Junge Mädchen gehen in Grup pen, ohne Hut, vorüber. Viele fahren Rad, mit Büchern unter dem Arm. Sie gehen in das kleine Wäldchen mir gegenüber, und ich sehe, wie sie rauchen. Ich habe das Gefühl, als sei ich eine Hornisse und irrtümlich in einen Bienenkorb geraten. 116