Volltext Seite (XML)
seine Arbeiten ist nicht gering. Spricht man mit ihm länger, so kommt die ganze kindliche Selbstüberschätzung des typischen Italieners heraus, die nur bei ihm durch das Alter etwas gemildert ist. Was hat Dossena alles angerichtet! Ein Kunsthistoriker hat eine gelehrte Arbeit über den „entdeckten“ Bildhauer Simone Martini geschrieben, einen der größten Meister der Giotto-Epoche, von dem man bisher durchaus nur wußte, daß er herrliche Tafelbilder schuf. Mit diesem Entdeckerglück ist es nun jäh Tatjana v. Kuraell zu Ende. Alceo Dossena wird uns in Zukunft vorsichtiger machen; das ist das eine. Es ist nicht das Wichtigste. Das Wichtigste ist: Wir wissen, man kann heute noch, in diesem historischen Zeitalter, mit letzter Einfühlungskraft ein altes Bildwerk so schaffen, daß wir nicht nur „getäuscht“ werden, nicht nur einer „Fälschung“ verfallen. Einen Menschen wissen wir unter uns, der mühelos sich um einige Jahrhunderte, ein Jahrtausend zurückbewegt und durch sein kon geniales Schaffen gegenüber der merkwürdigsten Illusion des Begriffes Zeit wieder einmal zutiefst stutzig macht. 5a 133