die leiseste Bewegung. Auf der friedlichen Schuttwüstenei lastete ein bedrücken des Schweigen, ähnlich der Ruhe über Schlachtfeldern. * Ich fand in einer Munitionsfabrik Verwendung. Ich lebte mit dem Volk zu sammen. Ich erlebte alles mit ihm, seine Gewohnheiten, seine Mühsal, Freude, Mißgunst, den Haß und die Liebe. Das Volk ist zugleich gut und grausam, groß mütig, tapfer und feige. Es ist das Volk. Der Soldat der Schützengäben war der gleiche wie der Arbeiter hinten. Sie waren Doppelgänger, der eine hier, der andere dort; ihre Gefühle und Meinungen ergänzten einander. Mit einem Notizbuch kommt der Werkmeister zwischen den Maschinen durch, die von heißem Öle schnaufen und zischen. Er forderte die Arbeiter auf, Kriegsanleihe zu zeichnen. Die meisten willigen ein und verpflichten sich für einen oder auch für zwei und drei Anteile. „Nun, kann ich dich eintragen ?“ fragt er mich. Ich verneine ... Er kommt nahe zu mir heran und macht mich vertraulich auf die Gefahr aufmerksam, die eine Weigerung mit sich bringe. „Ich habe die Weisung, diejenigen, welche nicht zeichnen, mit dem Rotstift anzumerken. Der Direktor möchte, daß die Arbeiter seiner Fabrik ihm Ehre machen. Und du weißt, die Angekreideten . . .“ Vor einer so entschiedenen Drohung beuge ich mich und lasse mich für einen Anteil auf vierzehntägige Abschlagszahlung notieren. Einige Monate später geht derselbe Werkmeister die Reihen entlang und verteilt die Stücke an die Subskri benten. Ich sehe ihn an. „Nein“, sage ich, „ich will keine Renten empfangen, während sich die anderen in die Fresse schlagen. Ich schenke meinen Gutschein der Frau eines Feldsoldaten und ihren Kindern. Ich will es in der Fabrik anschlagen lassen.“ Erschrocken schaut er mich an. Zwei Arbeiter, die sich uns genähert und meine letzten Worte gehört haben und die darin versteckte Absicht verstehen, nehmen sie nicht gut auf. „Mach’ keine Dummheiten“, sagt der Werkmeister. „Übrigens merk würdig“, fährt er fort, zu den beiden anderen gewendet, „euer Kumpel muß immer was Extras haben! Ihr sollt sehen, er wird uns noch schöne Geschichten einbrocken!“ * Otto Sdioff cA 781