Bild mit Braut, Bräutigam und Gästen oder eine Familiengruppe sind her kömmliche Andenken, die man an die Eltern, Freunde und Bekannten ver schickt. Noch lieber läßt man sie rahmen und stellt sie unter Glas auf den marmornen Kamin. Wie sollte nicht auch der Krieg Gegenstand für Fotografen werden? In unerwarteten Scharen tauchten sie vorn und im Flinterland auf. Die Etappenkompagnie lag in einer Fabrik am Rande einer Vor stadt von Rouen. Vor dem Kriege hatte eine Feuersbrunst die Gebäude beinah zur Flälfte zerstört. Mauerreste ragten steil und nackt in die Luft. Die geschwärzten Balken und eingestürz ten Dächer boten einen traurigen An blick. Im Hofe sah man Haufen von verkohlten Bohlen und anderen halbverbrannten Schutt. Gegen den Himmel zeichneten sich die Silhouetten etlicher Kamine und zerbrochenen Gebälks ab. Der Fotograf, welcher täglich unsere Leute in den vorteilhaftesten Stellungen gegen ein Entgelt von fünf Franken das Dutzend aufnahm, hatte an diesem Mor gen einen künstlerischen Einfall. Er entwickelte den Männern seine Absichten, die sie auch sogleich begriffen. Die einen erstiegen mit dem Gewehr in der Hand das Mauerwerk und markierten Scharfschützen in Deckung; die anderen mit gefälltem Bajonett täuschten einen ungestümen Angriff auf den Feind vor. Nach einigen Abänderungen fand das Bild Beifall. Ein paar im Vordergrund mit gekreuzten Armen hingestreckte Sol daten und einer auf einem Bund Stroh in halb liegender Stellung, der die Stirne mit einem feuchten Tuch umwickelt trug, vervollständigten das Ganze, so daß die Schönheit des Vorwurfs noch mehr hervortrat. Es war ergreifend realistisch. . . . Und in der Tat, für alle ihresgleichen war das auch wirklich der Krieg. Sie erkannten ihn wieder. Das war jener Krieg, den sie aus Büchern, Drucken und Almanachen kannten: die Eroberung von Buzenval, die letzten Patronen, der Krieg von Detaille und Neuville, jener, den man bewunderte, der Heldentum und Ruhm bedeutete, der Krieg wie im Theater und Kino, wo sich die Schau spieler nach der Vorstellung Gesicht und Hände waschen. Der Fotograf knipste gerade, als der Hauptmann herankam, welcher die Kom pagnie um sich versammelte. Darauf las er ihnen den Bericht vor, wonach Frei willige angefordert wurden. „Ich bin überzeugt“, versicherte der Hauptmann, „daß meine Leute mir Ehre machen werden . . . und in großer Zahl . . . Also, wer hebt die Hand?“ Aber im Hof der abgebrannten Fabrik rührte sich nichts. Kein Hauch, nicht 780