tanzend wie ein junger Barbare seiner Freude Ausdruck gab, teils in scharfen Aphorismen seinen Jüngern gegenüber oder in Sarkasmen den Pedanten und Banalen gegenüber seine Stimmung zum Ausdruck brachte. Ganz besonders erinnere ich mich einer Kampfszene zwischen Ensor und einem der Mitarbeiter der „Ville d’Anvers“. Beide hatten Röcke und Westen ausgezogen und lieferten, umdrängt von einem Schwarm bewundernder Mädchen, zwischen den Spiegeln und Lichtern des Kristallpalastes einen regelrechten Faustkampf, den man später einmal in köstlichen Gemälden der jungen französischen Schule, be sonders in dem kupfer- und gelbroten Gemälde, das der Erfolg Andre Favorys im „Salon d’Automne“ von 1922 wurde, wiederfinden wird. An Anekdoten über Ensor fehlt es nicht. Einige der pikantesten be ziehen sich auf Auseinandersetzun gen, die er mit den bekanntesten Kri tikern seiner Zeit hatte. Einige von ihnen hat er in seinen Bildern: „Die schlechten Köche“ und „Die guten Richter“ karikiert. Manche beziehen sich auf seine berühmten Kollegen. Hier nur eines dieser kleinen male rischen Abenteuer: Ensor mochte durchaus nicht den Herrn Fetin, der bei der Entstehung des „Cercle des XX.“ Doyen der Kunstkritiker Bel giens war und in keiner Weise die Malerei des j ungen Ostenders schätzte. Als er sich eines Tages vorüber gehend in Brüssel aufhielt, beschloß Ensor, an seinem „Verfolger“, einem der Dämonen, die ihm Tag und Nacht zusetzten — empfindlich Rache zu nehmen. Mit einem Freunde faßte er auf der Place du Musee Posten, A ' W ' Dressler und als Fetin dann aus der König lichen Bibliothek heraustrat, stürzten die beiden ihm mit den fürchterlichsten Grimassen entgegen: Ensor blies mit der Nase Flöte, und der Carabinier, der ihn begleitete, imitierte täuschend das Grunzen eines Schweines. Das sind die „Teufel, die einen Kritiker striezen“, erklärte Ensor. Man hat vielfach versucht, den Charakter und die Tendenzen Ensors lächerlich zu machen. In Frankreich haben die sensationellen Andeutungen Jean Lorrains in dem Roman der Ueberdekadenz „Monsieur de Phocas“ und in der Spezialnummer der Zeitschrift „La Plume“ in dem Augenblick, wo der Karneval der Symbolisten tobte, nicht erreichen können, die wirkliche Bedeu tung eines Werkes zu entstellen, das trotz seiner Geistigkeit vor allem pla stisch bleibt, und das, trotz aller Bemühungen, es als literarisch zu erklären, dies nur in untergeordneter Bedeutung ist. 117