Berliner Silvesterball. Harte, preußische Luft zeichnet in den Prunksälen des großen Hotels an Hunderten von schmatzenden Tischen die festumrissenen Konturen eines Berliner Silvester-Wichses. Jazz schrillt auf! — Während der Essenspause stoßen paillettengeschuppte dicke Hüften buntschillernder Fabel wesen die Frackschöße zum Tanz. Ueppigquellendes überwuchert meist kleine gedunsene, noch börsendösige Männer. Es gilt, heute wieder Fassade zu zeigen! Masken und Larven! — Wenn sie etwas fadenscheinig zu gespenstern anfangen, schnell rettet das ioo-PS- Großmann Silvesterball Tempo, ein auf die Spitze getriebener Kollektivismus. Bei Selbstbesinnung würde Leere gähnen — (Der Engländer hat wenigstens noch seinen sympathisch stillen Spleen, der Franzose seine individuelle Hysterie.) Hier tanzt Amor syphiliticus mit Hakennase und Stechaugen und etwas verbeulter Papiermacheglatze; dort ein Furunkelpflaster auf speckigem Hals. Aus di achenartig gezackter Rüsche biegt sich ein Weibernacken — Modisches, sonst in zarter Andeutung, wird in barocken Schnörkeln plakatiert: statt wip pender Orchideen liegen ganze Moosgärten auf den Schultern. Hotel-Liefe ranten mit Freibilletts mischen sich. Biedere spießige Fräuleins lehnen träu- 148