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Ich hatte ja nur zu sagen brauchen: ,,Tch bin’s“, aber ich sagte es nicht. Ich küßte sie auf den Ilals. ,,l)ein Gesicht ist ganz naß. Trockne dich doch ah.“ Dann drehte sie sich um und stieß einen Schrei aus. In einer Sekunde war sie wie verwandelt; sie gal) sich gar keine Mühe, sicli meine nächtliche Anwesenheit zu erklären und sagte: „Aber mein armer Liebling, du wirst dich erkälten! Zieh' dich schnell aus!“ Sie lief in den Salon das Feuer schüren. Als ich mich bei ihrer Rückkehr ins Zimmer immer noch nicht rührte, sagte sie: ..Soll ich dir helfen?“ Ich fürchtete den Augenblick, in dem ich mich ausziehen sollte, weil ich seine Lächerlichkeit ermaß, am meisten und seg nete jetzt den Regen, durch den dieses Aus ziehen einen mütterlichen Sinn annahm. Aber Martha ging hinaus, kam wieder herein, ging wieder in die Küche, um nach zusehen, ob das Wasser zu meinem Grog schon heiß sei. Lndlich fand sie mich nackt auf dem Bett nur zur Hälfte vom Deckbett liedeckt. Sie schalt mich aus: es sei töricht, nackt zu bleiben; man müßte mich mit Eau de Cologne abreiben. Dann öffnete Martha einen Schrank und warf mir einen Schlafanzug zu. Fr müsse mir passen. Einen Anzug von Jacques! Und ich dachte an die sehr mögliche Ankunft dieses Soldaten; Martha hatte ja auch daran gedacht. Ich lag im Bett. Martha legte sich zu mir. Ich bat, sie möchte das Licht auslöschen. Denn seihst in ihren Armen war ich meiner Schüchternheit gegenüber mißtrauisch. Die Dunkelheit gab mir Mut. Martha sagte mir zärtlich: „Mein. Ich will sehen, wie du ein- scldäfst.“ Bei diesem anmutigen M ort wurde mir etwas unbehaglich. Ich sah darin die rüh rende Milde dieser Frau, die alles aufs Spiel setzte, um meine Geliebte zu werden, und erlaubte, da sie meine krankhafte Schüch ternheit nicht zu ahnen vermochte, daß ich bei ihr einschliefe. Seit vier Monalen be hauptete ich sie zu liehen und blieb ihr den Beweis schuldig, mit dem die Männer sonst so verschwenderisch sind und der ihnen oft die Liebe ersetzt. Ich löschte absichtlich das Licht. Ich blieb genau so verwirrt wie vorher, als ich hei Martha ins Zimmer trat. Aber w ie das AA arten vor der Tür würde das A\ arten vor der Liehe nicht lange dauern. Übrigens versprach meine Phantasie sich derartige Lüste, daß sie sie sich nicht mehr vorstellen konnte. Zum ersten Male fürch tete ich auch, dem Galten ähnlich zu sein und so Martha eine schlechte Erinnerung an die ersten Liebesaugenblicke zu geben. Sie war also glücklicher als ich. Aber die Minute, da wir uns aus der Umarmung lösten, und ibre herrlichen Augen wogen mein Lnbehagen auf. Ihr Antlitz hatte sich verwandelt. Ich war erstaunt, die Glorie, die wie auf Heiligen bildern tatsächlich ihr Gesicht umrahmte, nicht mit Händen greifen zu können. A on meinen Befürchtungen erlöst, kamen neue Ängste. Da ich endlich die Macht der Bewegungen erkannte, die meine Schüch ternheit bisher noch nicht gewagt hatte, zitterte ich, daß Martha ihrem Gatten mehr gehören könnte, als sie zugehen wollte. Wie es mir auch sonst unmöglich ist, zu verstehen, was ich zum ersten Male ge nieße, mußte ich die Freuden der Liebe mit jedem Tage mehr kennen lernen. Inzwischen brachte mir die falsche Lust einen wahren Manncsschnierz: die Eifer sucht. Ich war Alartha böse, wed ich an ihrem dankbaren Antlitz erkannte, wie w ertvoll die Rande des Fleisches sind. Ich fluchte dem Alaune, der vor mir ihren Körper erweckt hatte. Ich ermaß meine Torheit, in Alartha eine Jungfrau gesehen zu haben. Zu jeder anderen Zeit wäre der AA'unsch, ihrem Alaune den Tod zu w ünschen, ein kindisches Hirngespinst gewesen, aber dieser AA'unsch wurde nun fast ebenso verbrecherisch. als wenn ich getötet hätte. Ich verdankte dem Kriege mein werdendes Glück; von ihm er wartete ich auch dessen Krönung. Ich