beim Nachmittagstee im Ne- gresco oder an den. Abenden in den großen Luxus-Hotels auf der Avenue de Cimiez und am Strand oder in der Oper hierzu reiche Gelegenheit. Durchweg sind einfach hän gende Formen der ärmel losen Kleider die Parole. Die Idee und der Luxus feiert nur in den verarbeiteten Materi alien, den reichen Stickereien und Federverbrämungen Or gien. Jede exzentrische Laune aber tollt sich in der Kom position der Abendmäntel aus, die in Farbe und Fasson, oft mit aufgenähten Karos aus kontrastierenden Farbenbändem, fast an den nahenden Karneval gemahnen. Wenn auch in diesem Jahr, angeb lich durch eine kommunistische Ge fahr abgeschreckt, die teuersten Luxus- Hotels einen merklichen Ausfall durch das Ausbleiben der „schwersten“ Kundschaft aus Amerika haben sollen, so machen sich diese Lücken in dem ganzen Getriebe, das diesen Mittel punkt der Riviera mit einem pulsie renden Leben erfüllt, kaum bemerkbar. Das Leben ist hier so bunt und ele gant wie nur je, die Sonne vergoldet diesen malerischen Küstenstrich mit verführerischem Glanze, und trotz feuchter Abende und kalter Nächte blühen die Rosen um die Jahreswende schon so herrlich und lachen die Orangen aus dichtem Baumgrün so üppig, daß man auch über den üblichen Nizzaer Schnupfen lachend hinwegkommt, zu mal alles Schöne und aller Luxus für den Goldmarkdeutschen hier zwar nicht billig, aber gerade noch er schwinglich sind. V - //•* * Alonsteur Herriot und sein Spiegelbild (Magdeburgische Zeitung) 29