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glauben auch an den Grundfatz, dem Publikum etwas Befferes liefern zu muffen, als das, woran es gewöhnt iß* Sie fürchten fich nicht davor, es zu überrafchen/ 1 Auf der Deutfchen Werkbundausßellung Köln 1914 wurde eine Brofchüre über Farbendrude verteilt, in der gefagt wurde: „Der Deutfchefchreckt nicht vor kühnen Abffditen zurück* Er iß bereit, Verfudie anzufiellen, und ein Wagnis einzugehen, wobei er vielleicht dem Herkömmlichen folgt, aber immer danach ßrebt, die belebende Note hinzuzufügen, die fchöpferifdi iß oder gewefenes Gutes wieder aufnimmt/' Hermann Mutheffus fdirieb im Jahre 1904 (in feinem grundlegenden Buch * „Kultur und Kunfi"): Warum bringt die lndußrie keine künßlerifdi guten Sachen alsMaffenartikel hervor? ***Legtman diefeFragen dem Fabrikanten vor, fo folgt die feßßehende Antwort: Das Publikum will es fo* Wer von den dreien hat nun recht? Alle drei Behauptungen ffnd tenden ziös* Der Engländer wollte feine Regierung zu gröberem lntereffe und zu gröberen Leibungen für Kunß und lndußrie anfpomen* Die Reklame- fchrift der Kölner Ausheilung hatte die Abficht, die deutfdie Führung zu betonen* Und Mutheflus hatte, zehn Jahre vorher, die deutfchen Ver braucher aufklären und dazu aufßadieln wollen, das Gute und Belfere, das man ihnen aus Unvermögen oder Bequemlichkeit gefliffentlidi vorenthielt, zu fordern* Trotz diefer Tendenzen liegt in allen drei Äußerungen ein gut Teil Wahrheit, nur darf man fie nicht weiterhin verallgemeinern, fondern halte fich an die tatfädilidien und erreichbaren Ergebniffe* Als wir vor 25 Jahren in überfdiwänglicher Jugendbegeißerung unferen Sturmlauf begannen, glaubten wir fchon nach kurzer Zeit Höhen und Gipfel erreicht zu haben; heute können wir mit kritifdierRuhe zugeßehen, dab die Bewegung im Kreislauf erß die Grenzen abgemeffen hat, um jetzt,an den Ausgangspunktzurückgekehrt,in gehobener Kurve aufzußeigen* Künßler und Fabrikanten haben fidi in grober Zahl zu gemeinfamer Ar beit zufammengefunden, und es gibt heute wohl kaum einen Fabrikbetrieb, der auf qualitative Geltung Anfpruch erhebt und nicht von einem in ihn eingelebten Künßler beraten würde* Das künßlerifdie Wirken foll nicht eine Zutat oder befferenfalls eine An leitung bleiben, fondern der ganze Betrieb foll im Kern erfaßt und von ihm aus zu einem neuen und einheitlichen Gebilde umgeßaltet werden* Das bedeutet nicht nur eine Durchbildung der Betriebsform und der Stätte des beziehungsreichen Werdeganges, nicht nur die künßlerifdie Veredelung einzelner Erzeugniffe, fondern eine fo tiefgreifende Veränderung, dab auch c*