(Meyer und Henze*Dessau, Frankfurt a. M.) Willy, dermit derroten Emmy unvergleichliche Lei* stungen im Gewichtsheben produzierte. Excentrik* Boxer, die noch unerschüttert standen, als das Publikum sich schon längst am Boden in Lach* krämpfen wand. Der Herr Direktor Chromgelb selber unterließ nicht, seine begeisternden Pferde* dressuren in Form einer Quadrille vorzuführen. Zwei süße Drahtseilakte riskierten ihr zartes Leben in Lila und Rosa. Und schließlich zog in die hierfür umgitterte Manege derTierbändiger John Kragen* fleck mit seinen dressierten Gilka*Bären. Die Wirkung dieser Karikaturen war so über* zeugend, daß hernach die von dem liebenswürdigen Direktor des Zoo zur Verfügung gestellten wirk* lieh wildgewachsenen Schlangen und Krokodile gar keine fürchterliche Wirkung mehr ausüben konnten. Sie kamen gegenüber den selbstfabri* zierten nicht mehr zur Geltung und gingen belei* digt in den Zoo zurück. In diesem Jahre soll die Popularität des Filmes »Wege zu Kraft und Schönheit« dazu dienen, das gleiche Motiv von der fidelen Seite her durchzu* führen. Während ich diese Betrachtung schreibe, proben noch zehnjünglinge, jedermitkunstvoll ge* klebtem pappenen Hautana ausgerüstet, als künf* tige Tillergirls. Plastische Gipsfiguren*Gruppen werden ausgeprobt, zu denen Archipenko, Hasen* stein &. Vogler und andere anerkannte Größen die Vorbilder geliefert haben. Doch ich will mir nicht schon die Festfreude vorwegnehmen und lieber schweigen über alle diese Kunstleistungen. Am allerschönsten aber sind die Künstlerfeste, bei denen man noch mehr unter sich ist. Es sind dies die Atelierfeste mit nur wenigen Vertrauten, welche die unbeschreiblichen Gemütsbewegungen mit erleben können, die bei dieser Gelegenheit zum Ausbruch kommen. Das Atelier wird zur völligen Unkenntlichkeit umgestaltet; und statt der Stühle dienen Matratzen in allen Härtegraden, die auch der berühmte Faber* Castellstift aufweist. Wehe der bedauernswerten Nachbarschaft, die als hilf* loser Hörer mitgenießen muß! Es bleibt kein Aug* apfel schlafbelidert und die sonst so gewandte Sipo ist in diesen Fällen meist etwas hilflos. Künstler verstehen Gesetzesparagraphen ebensowenig, wie die Kinder Kants Kritik der reinen Vernunft. Deshalb konnte das »Fest der Filmgrößen« sich auch so ungestört entwickeln, weil das Atelier des Gastgebers fern von jeder sonstigen menschlichen Behausung lag. Asta Nielsen und Fern Andra, Fatty und Pat und Patachon, Charly Chaplin und das süße american * girl Pearl White, ach — wer nennt die Namen alle, die uns ja von jeder Lein* wandfläche entgegenzappeln. Selten hat man so viel Schönheiten beieinander gesehen. Deshalb war wohl auch das Fest selbst so schön. Der größteTeil der Teilnehmer blieb noch bis zum nächsten Nach* mittag in seltener Rüstigkeit beieinander. Ein zer* beultes Megaphon und ein ausgeleierter Pseudo* Aufnahmeapparat trauerten zwischen der zer* klüfteten teppichbelegten Matratzenherrlichkeit dem entschwundenen Zauber nach. Die gemalte Filmstadt an den Wänden war ausgestorben und die wilden Kinoplakate hatten sich heiser geschrien. 53