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KÜNSTLERFEST ZIRKUS CHROMGELB, FRANKFURT A. M. *: T MU(/ r rAAicos* Haraki Ludwig Enders, Offen b a c h Makomb« dieser demokratischen Stadt allen künstlerischen Absichten freundlichste Aufnahme. Daher auch die erstaunliche Resonanz der »Timbuktu«*Veran» staltungen, die seit Jahren von dem Frankfurter Kunstlerbunde gemeinsam mit der Bühnengenos, senschaft mit soviel Witz und Laune durchgeführt werden. Der ungeheure, rührend zu nennende Auf* wand von hingebender Mitarbeit, die zu diesen riesengroß angelegten Festen von den Veranstaltern geleistet wird, übt stets eine nie versagende, bezau, bernde Wrkung auf alle Festteilnehmer aus Aber man begnügt sich nicht nur damit, alle Säle und äume mit Packpapier und Farbe dem Motiv ent* sprechend umzugestalten, es werden pomphafte Festzuge auf die fassungslos staunenden Festteil, nehmer losgelassen, die ihnen den letzten noch fehlenden Rest der Illusion ihrer Jugendträume erlebnisnahe bringen. Die Ortsgruppe Frankfurt des Bundes deutscher Gebrauchsgraphiker hat den Rahmen ihrer jähr, liehen Veranstaltungen enger gezogen. Die Zahl der Gäste ist kleiner, aber der Prozentsatz der mit, wirkenden Künstler ist dafür größer, und das Pro, gramm deshalb um so wechselvoller. Es wird viel sehr viel fürs Geld geboten. Und dann sind die Motive dieser Gebrauchsgraphiker,Feste immer so schön »aus dem Leben gegriffen«. Das ist na, türlich kein Zufall! Kein Künstler steht wohl mehr mit den realen Dingen des Lebens so in engster Fühlung, wie der Gebrauchsgraphiker. Die merk, würdigen Aufgaben, die an ihn in der Ausübung seines verhängnisvollen Berufes herantreten, haben ihm den Blick für menschlich Allzumenschliches außerordentlich geschärft. Er ist innerlich allem Geschehen und Verlangen gegenüber von heiterer Sachlichkeit, die ihm als Gegengewicht zum oft so unnötigen Pathos seiner Aufgaben dient. Und je nach derWölbung seines Gehirnspiegels wird diese heitere Sachlichkeit leicht zur Groteske. Die Motive der Frankfurter Graphikerfeste und ihre Durchführung bestätigen diesen Sinn für die Groteske durchaus. Da gab es eine »Vorstadt, hochzeit« mit einem erschütternd günstigen Braut, paar dessen erster Sprößling im Anschluß an die kirchliche Trauung von dem würdigen Pfarrer mit Andacht und 52 7a%igem Feuerwasser getauft werdenkonnte. ImVorjahreüberraschten dieselben Graphiker ihre Freunde mit dem »Zirkus Chrom= gelb« Von allen ausübenden Künstlern habe ich gerade bei Malern und Graphikern die größte Vielseitigkeit der Begabung feststellen können Und so war denn auch das Wunder der aller, schönsten und ach - so entzückend kitschigen - Zirkusherrlichkeit desjahrmarktes unsererjugend, tage neu erstanden. Die grotesken Clowns mit ihren abwegigen Gedankengängen und Handlun, gen, deren Auswirkungen so schmerzhaft für den Kopf und die edlen Organe sind. Dann der blonde 52