Nr. 25: Iphigenie

Anselm Feuerbach (Speyer 1829–1880 Venedig)
1861

Schwarze Kreide, Deckweißhöhungen, partiell aquarelliert, auf blaugrauem Papier, 47,1 x 23,4 cm
Bez. unten links: AF (ligiert)
Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg (Inv. Nr. Z 1990)
Provenienz: Henriette Feuerbach; Sammlung Carl Neumann, Göttingen; seit 1934 im Museum (aus dem Nachlass Neumanns); erworben 1952 als Schenkung von Georg Poensgen

Trübners Mentor Feuerbach orientierte sich am Vorbild der Antike und der italienischen Renaissance. Klassische Bildstoffe gehören zu den Schwerpunkten seiner Kunst. Goethes Schauspiel „Iphigenie auf Tauris“ von 1787 diente als Basis für die intensive künstlerische Auseinandersetzung Feuerbachs mit der Thematik. Als Modell für seine Iphigenie-Darstellungen figurierte wiederholt Nanna Risi, die Feuerbach 1861 in Rom kennengelernt hatte und die zeitweise seine Geliebte war. Die Zeichnung ist eine Modellstudie nach ihr für ein 1861 begonnenes und im selben Jahr zerstörtes Gemälde.

Haltung und Gewandung der Figur folgen antiken Vorbildern. In trauriger Versunkenheit richtet die Dargestellte den Blick in eine unbestimmte Ferne. Feuerbachs Iphigenie-Darstellungen wurden zum Inbegriff von Einsamkeit, Melancholie und der Sehnsucht nach einer fernen Heimat. (D.H.)