V.3.2

Das Titelblatt der Exércices Joseph Franz von Goez’ (1754–1815) zeigt einen Zeichner, der mit der Darstellung einer jungen Frau beschäftigt ist. Sein breiter Hut, der wetterfeste Mantel und der zwischen die Beine geklemmte Gehstock implizieren, dass er sich in der freien Natur aufhält. Zu seinen Füßen befinden sich zwei Kopfplastiken, die auf der Skala der darstellerischen Möglichkeiten eines jeden Porträtisten die beiden extremsten Pole, ideale Schönheit und groteske Hässlichkeit, markieren. Dass der junge Mann sich bei seiner Arbeit neben der natürlichen Erscheinung vor allem durch seine ‚Liebe zur Kunst’ leiten lässt, macht die seit Dante und den Neoplatonikern des 15. Jahrhunderts vielfach belegte Wendung auf seiner Zeichenmappe deutlich: „L’amour maître de tous les arts“.
 

V.3.2
Joseph Franz von Goez

Exércices d’imagination de differens charactères et formes humaines, Augsburg 1783–1784
Privatsammlung

V. Wie wird in der Praxis gezeichnet?