Das Jüdische Magazin

Das jüdische Magazin, 1. Jahrgang (1929), Heft 2, August, Themenheft zu Max Liebermann, Abbildung: Reproduktion eines Gemäldes von Max Liebermann
Das jüdische Magazin, 1. Jahrgang (1929), Heft 2, August, Themenheft zu Max Liebermann, Abbildung: Reproduktion eines Gemäldes von Max Liebermann

1 Jahrgang, 1929 
erschienen im Verlag B. Pollak, Berlin 
4 Ausgaben, vollständig digitalisiert 
Zu den Digitalisaten

Das 1929 von einem kleinen Verlag in Berlin-Wilmersdorf verantwortete »Jüdische Magazin« erinnert mit seiner Mischung aus Fotos, literarischen Texten, Sport-, Bücher- und Rätselecke dem Typus des »Querschnitt«, wirkt dabei freilich ernster und gelehriger als etwa der »Uhu«. Als wichtiges Ziel ist unverkennbar, den außergewöhnlichen Beitrag des jüdischen Volkes zum internationalen Kultur- und Geistesleben veranschaulichen zu wollen. Jede der vier Ausgaben widmet sich als Themenheft einer bedeutenden jüdischen Persönlichkeit (Walther Rathenau, Max Liebermann, Moses Mendelssohn, Yehudi Menuhin). Eine Monatszeitschrift für eine Kernzielgruppe von unter zwei Prozent der Reichsbevölkerung (sowie eine wohl ebenfalls nicht sehr große Zahl dezidierter Philosemiten) zu vermarkten, war ein gewagtes Unternehmen. Während auf der hinteren Umschlagseite noch für ein Abonnement geworben wurde, blieb die vierte Ausgabe daher offenbar schon die letzte.

Covergestaltungen der vier Ausgaben des ›Jüdischen Magazin‹
Das jüdische Magazin, 1. Jahrgang (1929), Heft 4, November
Das jüdische Magazin, 1. Jahrgang (1929), Heft 4, November

Heft im Focus

Das Jüdische Magazin, 1. Jahrgang (1929), Heft 4, November

Versonnen blickt er in die Ferne, der dreizehnjährige Wundergeiger Yehudi Menuhin (1916-1999), den Ältere vielleicht noch als Dirigenten, Stifter und Förderer des musikalischen Nachwuchses kennen. Die Umschläge der vier Hefte des »Jüdischen Magazins«, einem besonders kurzlebigen und seltenen unter den illustrierten Magazinen der Weimarer Republik, waren durchweg jüdischen Prominenten gewidmet. Am Beginn stand der von Rechtsterroristen ermordete Reichsaußenminister Walther Rathenau, in Heft 4 folgte Menuhin, der wenige Monate zuvor mit den Berliner Philharmonikern unter Bruno Walter seinen künstlerischen Durchbruch erlebt hatte.

Das in einem kleinen Verlag in Berlin-Wilmersdorf hergestellte Jüdische Magazin entspricht mit seiner Mischung aus Fotos, literarischen Texten, Sport-, Bücher- und Rätselecke dem Typus, wirkt freilich ernster und gelehriger als der UHU oder Scherl’s Magazin. Als ein Ziel ist unverkennbar, den außergewöhnlichen Beitrag des jüdischen Volkes zum internationalen Kultur- und Geistesleben zu veranschaulichen. Heft 4 widmet sich folglich dem Literaturnobelpreisträger Henri Bergson, der Schauspielerin Elisabeth Bergner oder dem Boxmeister Herbert Fuchs. Als weiteres Dokument jüdischer Selbstbehauptung berührt eine Seite mit Aphorismen zum grassierenden Antisemitismus der Zeit: »Dies sind die Träger des Antisemitismus: die Hassenden und die Bequemen; die Bequemen sind die Schlimmeren«; daneben die übliche Werbung, zum Beispiel für die Künstler-Bar UHU, »am Flügel: Noldi Schorr, kein Weinzwang!«

Eine Monatszeitschrift für eine Kernzielgruppe von unter 2% der Reichsbevölkerung sowie eine wohl ebenfalls nicht sehr große Zahl dezidierter Philosemiten zu vermarkten, war ein gewagtes Unternehmen. Während auf der hinteren Umschlagseite noch für ein Abonnement geworben wurde, blieb die vierte Ausgabe daher offenbar auch bereits die letzte. Wenige Jahre später folgte die Tragödie des Holocaust, die die zivilisatorische Grundlage des Blattes unwiederbringlich zerstörte. Kurt Pinczower, der Chefredakteur des Magazins, floh 1933 über Prag in die Vereinigten Staaten. Yehudi Menuhin gab während des Weltkrieges rund 500 Konzerte für die Alliierten Streitkräfte und das Internationale Rote Kreuz.

Achim Bonte