Igor Golomstok

Bestandsbeschreibung

Igor Golomstok im Gespräch mit dem Philologen Gasan Gusejnow, Bremen 2007, © Wolfgang Schlott
Igor Golomstok im Gespräch mit dem Philologen Gasan Gusejnow, Bremen 2007, © Wolfgang Schlott

Der sowjetische Kunsthistoriker Igor Golomstok (1929-2017) lebte in Moskau und ab 1972 im Londoner Exil. Sein Forschungsschwerpunkt war zeitlebens sowohl die Geschichte der Kunst in totalitären Regimen als auch im kapitalistischen Westen.

Sein Nachlass enthält Lebensdokumente, darunter seine gehaltvollen Tagebücher aus den Jahren 1961 bis 1974 und zahlreiche Buch- und Aufsatzmanuskripte sowie Vorlesungen, die er in den 1960er Jahren an der Moskauer staatlichen Lomonossow-Universität und seit Mitte der 1970er Jahre an der Oxford University und St. Andrews University in Großbritannien hielt. Zu seinen frühen Publikationen zählen seine 1965 in der Sowjetunion veröffentlichte Monografie „Die progressive Kunst in den kapitalistischen Staaten“ und seine Abhandlungen  über die Maler Paul Cezanne, Pablo Picasso und Hieronymus Bosch, die er zum Teil unter dem Pseudonym G. Fokin veröffentlichte. In seinem Anfang der 1990er Jahre erschienen Spätwerk „Die totalitäre Kunst“ setzte er sich als einer der ersten Kunsthistoriker am Beispiel der Sowjetunion, NS-Deutschland, Chinas und Italiens zur Zeit des Faschismus vergleichend mit den ästhetischen Prämissen und staatlichen Vorgaben in totalitären Staaten auseinander. Auch Mitschriften seiner Radiobeiträge für den britischen Sender BBC, in dem er nach seiner Emigration aus der Sowjetunion arbeitete, und in Materialien, die in Zusammenhang mit seiner Redaktionstätigkeit für die Exilzeitschrift „Kontinent“ stehen, sind Teil seines Archivbestands.

Von großer Bedeutung ist zudem die im Nachlass enthaltene Korrespondenz. Im Zentrum stehen die Briefwechsel mit sowjetischen und westlichen Künstler*innen, Kulturwissenschaftler*innen und (Kunst-)Historiker*innen sowie mit sowjetischen Dissident*innen und Emigrant*innen. Zu seinen Korrespondenzpartnern gehörten u.a. Gjusel Amalrik, George Bailey, Boris Birger, Juri Gastew, Martin Dewhirst, Robert Conquest, Wladimir Maximow, Pater Alexander Men, Alexander Pjatigorski, Andrej Sinjawski, Igor Scholkowskij und Julia Wischnewskaja. Besonders hervorzuheben ist der Briefwechsel mit dem Schriftsteller Ilja Ehrenburg über das von Golomstok gemeinsam mit dem Literaturwissenschaftler Andrej Sinjawski verfasste Werk über Pablo Picasso. 

Neben vorrangig im westlichen Dortverlag (Tamisdat) erschienenen Werken Dritter umfasst sein Nachlass auch Golomstoks Handbibliothek sowie seine Sammlung an Ausstellungskatalogen und Kunstzeitschriften.

Das persönlichen Archiv von Igor Golomstok wurde im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Archiverschließungsprojekts „Generation Kopelew“ Benutzer*innen zugänglich gemacht. Die nach seinem Tod erhaltene Nachlieferung ist noch in Bearbeitung.